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Wadenkrämpfe: Wenn die Muskulatur „Hilfe“ ruft

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Von Veronika Wagner

Wadenkrämpfe kommen häufig nachts vor. Dabei spannen sich einzelne Muskeln oder Muskelgruppen im Unterschenkel oder im Fuß unwillkürlich und plötzlich an, ohne sich wieder zu entspannen. Die Muskulatur fühlt sich verhärtet an und schmerzt manchmal so stark, dass die Betroffenen sogar aus dem Schlaf gerissen werden. Nun ist schnelle Hilfe gefragt.


Ursachen und Hintergründe

Muskelkrämpfe in der Wade können einige Sekunden, aber auch ein paar Minuten dauern und treten meist nach starker sportlicher Belastung, nachts in Ruhe oder bei Flüssigkeits- und Elektrolytmangel auf. In seltenen Fällen können häufige Wadenkrämpfe auf ernstere Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, Nieren-, Muskel-, Nerven-, Gefäßerkrankungen und Vergiftungen hinweisen. Auch als Nebenwirkung mancher Medikamente treten Muskelkrämpfe auf. Neben diesen sogenannten symptomatischen Krämpfen gibt es auch noch idiopathische Krämpfe, deren Ursache nicht genau festgestellt werden können, sowie paraphysiologische Krämpfe. Letztere werden durch ein Ungleichgewicht im Elektrolythaushalt verursacht. Durch einen Mangel an Mineralsalzen wird die Erregbarkeit der Muskelfasern gestört und das wiederum führt zu unkontrollierbaren Verkrampfungen.

Sportler verlieren durch das Schwitzen sehr viele Mineralien und beanspruchen ihre Muskulatur oftmals sehr stark. Schwangere Frauen haben einen erhöhten Mineralstoffbedarf und ältere Menschen neigen dazu, zu wenig zu trinken was zu einem Wasser- und Elektrolytmangel führt. Häufig haben sie auch eine verkürzte Muskulatur.


Behandlungsmöglichkeiten

Als Erste-Hilfe-Maßnahme sollte der verkrampfte Muskel vorsichtig gedehnt werden. Dazu zieht man bei einem Unterschenkelkrampf die Zehenspitzen zur Nase und drückt gleichzeitig die Ferse in den Boden. Oftmals löst sich so der Krampf. Auch eine leichte Massage lockert die Muskulatur und steigert so die Durchblutung. Spezielle Massageroller mit pflegenden Lotionen können als Therapiebegleitung lindernd und auch vorbeugend wirken.

Weiterhin sollten natürlich die Ursachen in der Selbstmedikation bekämpft oder je nachdem auch von einem Arzt behandelt werden. Störungen des Wasser- und Elektrolythaushaltes sollten zunächst durch erhöhte Flüssigkeitszufuhr, durch ausgewogene Ernährung oder ein entsprechendes Mineralstoffpräparat ausgeglichen werden. So wird bei schwerer Dehydratation, beispielsweise nach Durchfallerkrankungen, eine Glucose-Elektrolyt-Lösung gegeben. Bei Magnesiummangel, beispielsweise in der Schwangerschaft oder bei Diabetes mellitus, können Magnesiumpräparate in ausreichend hoher Dosierung (300 bis 400 mg pro Tag) helfen.


In der Selbstmedikation stehen unter anderem folgende Präparate zur Auswahl:

  • Massagelotion und -roller: Allgäuer Latschenkiefer Waden Massage Pflegelotion ( Theiss Naturwaren)
  • Glucose-Elektrolyt-Mischung als Pulver: Elotrans (Stada Consumer Health & Stadapharm), Oralpädon 240 (Stada Consumer Health & Stadapharm)
  • Magnesiumpräparate (verschiedene Darreichungsformen): Magnesium Diasporal (Protina), Magnesium Verla (Verla-Pharm Arzneimittel), Biolectra Magnesium (Hermes Arzneimittel)


Die Therapie richtet sich immer nach der Ursache beziehungsweise der Diagnose. Deshalb können auch Physio- und Ergotherapie, Cortison-haltige Präparate, Hormonersatzpräparate oder auch eine Medikamentenumstellung zum Einsatz kommen, um der verkrampften Muskulatur zur Entspannung zu verhelfen. Wenn Maßnahmen aus der Selbstmedikation nicht helfen, kann der Arzt bei schweren nächtlichen Wadenkrämpfen das rezeptpflichtige Chininsulfat (Limptar N, Cassella-med) verordnen.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 16.09.2020.


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