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Testkäufer in der Apotheke: Johanniskraut-Präparate

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Von Eva Bahn


Auch zum Thema Johanniskraut und seiner Wechselwirkung mit der Pille sind gerne Testkäufer in den Apotheken unterwegs. Falls also eine Frau im gebärfähigen Alter vor dir steht und ein Johanniskraut-Präparat verlangt, solltest du dich – idealerweise wie sonst auch –an den Frage-Leitfaden der Bundesapothekerkammer (BAK) halten.


Beratungssituation und zu stellende Fragen

Folgendes Szenario:

  1. Eine Frau steht vor dir und sagt, dass sie Johanniskraut-Tabletten kaufen möchte. Hier sollte deine erste Frage lauten, ob es für sie selbst oder jemand anderen gedacht ist. Sie bestätigt dir, dass sie es selbst einnehmen möchte.
  2. Danach kommt das Hinterfragen der Eigendiagnose. Die Testkäuferin erzählt, dass sie leichte Einschlafprobleme habe und unter Stress, innerer Unruhe und schlechter Laune leide. Dies sind alles passende Anwendungsgebiete für Johanniskraut-Extrakte. Eine Schwangerschaft oder Stillzeit sowie weitere Krankheitssymptome liegen nicht vor. Außerdem habe sie keine weiteren Vorerkrankungen. Andere Arzneimittel hat sie bisher auch noch nicht ausprobiert.
  3. Nun kommt die für dieses Pseudocustomer-Gespräch wichtigste Frage: „Nehmen sie noch andere Medikamente regelmäßig ein?“. Die Dame teilt mit, dass sie ein hormonales Kontrazeptivum einnimmt. Du solltest ihr erklären, dass sie in diesem Fall zusätzlich mit Kondomen verhüten sollte, da die Wirksamkeit der Verhütungspille durch das Johanniskraut-Präparat herabgesetzt sein kann. Auch bei einer Verhütung mittels Hormonpflaster oder Vaginalring kann dieses Risiko nicht ausgeschlossen werden.


Pharmakologischer Hintergrund der potenziellen Wechselwirkung

Johanniskraut (Hypericum perforatum) induziert die Leberenzyme Cytochrom (CYP) P450 3A4 und 1A2. Als Folge kann die Abbaurate von zusätzlich eingenommenen Arzneistoffen ansteigen. Diese stehen dann zur Wirkung nicht oder nur in einem geringeren Ausmaß zur Verfügung. CYP450 3A4 verstoffwechselt unter anderem auch Hormone wie Östrogene. So kann ein Johanniskraut-Extrakt die Wirkung der hormonellen Kontrazeptiva beeinträchtigen.


An Alternativen in der Selbstmedikation denken

Da die Testkäuferin nicht anderweitig verhüten möchte, kannst du nun andere Möglichkeiten aufzeigen, wie sie sich zunächst über die Selbstmedikation helfen kann. Wenn sie weiterhin auf pflanzlicher Basis etwas sucht, dann ist vielleicht ein Präparat mit Lavendelöl das Richtige für sie, denn Lavendel wirkt ebenfalls entspannend, angstlösend und der inneren Unruhe entgegen. Dabei beeinträchtigt er weder den Hormonhaushalt, noch macht er lichtempfindlicher, was eine zusätzliche Gefahr bei der Einnahme von Johanniskraut-Präparaten – insbesondere während der Sommerzeit – sein kann.

Sollten ihre Einschlafprobleme und die innere Unruhe im Vordergrund stehen, so ist möglicherweise ein Kombinationsmittel, das Baldrian, Melisse und Passionsblume enthält, für sie sinnvoller. Unterstützend dazu könntest du nicht-medikamentöse Tipps geben. Die Lichttherapie ist eine Möglichkeit, etwas gegen den Stress zu tun, wie auch Meditation oder Aromatherapie. Auch hier kann Lavendelöl eingesetzt werden. Zitrusdüfte wirken stimmungsaufhellend und Majoranöl gegen Einschlafprobleme sowie überreizte Nerven.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 07.09.2020.


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