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Im Kampf gegen Lieferengpässe – Aktualisierung des Rahmenvertrages tritt in Kraft

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Von Veronika Wagner

Ein großes Ärgernis für das Apothekenpersonal ist das Vertrösten der Kunden, wenn das übliche Medikament nicht lieferbar ist und auch keine Alternative angeboten werden kann. Deshalb sind die aktuellen Maßnahmen zum besseren Management von Lieferengpässen mit dem “Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz“ (GKV-FKG) vom 01. April 2020 und die Anpassung des Rahmenvertrages am 01. August 2020 ein weiterer wichtiger Fortschritt.


Folgende Neuerungen sind zu beachten

Weiterhin besteht zwar die Verpflichtung, den Rabattvertrag zu erfüllen – aber sollte zum Zeitpunkt der Abgabe kein Rabattarzneimittel verfügbar sein, darf ein lieferfähiges, wirkstoffgleiches sowie ein möglichst preisgünstiges Arzneimittel (§§ 12 bzw. 13 im Rahmenvertrag) abgegeben werden. Auch „unwirtschaftliche“ Importe dürfen ausgewählt werden. Eventuell anfallende Mehrkosten werden aufgrund der Modifikationen von den Krankenkassen übernommen. Die Voraussetzung ist, dass kein Arzneimittel zum Festbetrag lieferbar ist. Auch der sogenannte Preisanker (die gesetzte Preisgrenze des vom Arzt verordneten Produktes) darf bei Nichtverfügbarkeit ignoriert werden.

Der Nachweis durch eine Verfügbarkeitsanfrage beim Großhandel (bisher wurden zwei benötigt) ist jetzt ausreichend. Auf dem Rezept wird wie gewohnt die Sonder-PZN 02567024 für die Nichtverfügbarkeit mit den Ziffern 2 oder 4 im Faktorfeld aufgedruckt.


Coronakrise und deren Auswirkung auf Rabattverträge

Aufgrund der Coronakrise haben die Krankenkassen die Rabattverträge bereits gelockert, sodass die neuen Abgaberegeln derzeit eher irrelevant sind. Mit einem entsprechenden Vermerk auf dem Rezept und in Rücksprache mit dem Verordner kann sogar ein vergleichbares pharmakologisch-therapeutisches Arzneimittel abgeben werden. Auch die Entnahme von Teilmengen und andere Packungsgrößen sind erlaubt. Diese Sonderregeln in der Sars-Cov2-Arzneimittelversorgungsverordnung gelten allerdings befristet bis zum 1. September 2020. Es findet somit ein nahtloser Übergang zu den oben genannten Änderungen im Rahmenvertrag vom 01. August 2020 statt.


Lieferengpässe in Deutschland

Derzeit gibt es in Deutschland laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) circa 328 Lieferengpässe (Stand: 19.08.2020) – das heißt: Laut BfArM kommt es bei diesen Präparaten zu „einer über voraussichtlich 2 Wochen hinausgehenden Unterbrechung der Auslieferung im üblichen Umfang oder einer deutlich vermehrten Nachfrage, der nicht angemessen nachgekommen werden kann“.

Diese Engpässe betreffen unterschiedlichste Wirkstoffgruppen (Schilddrüsenhormone, Antibiotika, Antidepressiva, Antidiabetika etc.). Für Patienten, die auf ein bestimmtes Medikament angewiesen sind, hat dieser Zustand hinreichende Folgen. Vor allem wenn kein exaktes Lieferdatum absehbar ist. Mit der Änderung des Rahmenvertrages können die betroffenen Patienten jedoch schneller und unbürokratischer mit einem adäquaten Medikament versorgt werden.

Es darf allerdings nicht außer Acht gelassen werden, dass trotzdem zusätzliche Lösungsansätze für Lieferprobleme seitens Politik, Krankenkassen und Krankenhäusern sowie den pharmazeutischen Unternehmen vonnöten sind, um eine angemessene Arzneimittelversorgung im Apothekenalltag zu gewährleisten.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 19.08.2020.

 

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