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Weiterbildung in Telepharmazie: „Viele unterliegen dem Irrglauben, man könne schon alles“

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Von Eva Bahn

Apotheker(innen), Pharmazieingenieure/-innen und PTA, die sich für Telepharmazie interessieren und ihr Wissen in diesem Gebiet erweitern und vertiefen wollen, können seit Kurzem eine von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zertifizierte Weiterbildung zum „Apotheker für angewandte Telepharmazie (IHK)“ und zur „Tele-PTA (IHK) absolvieren. In drei Modulen werden den Teilnehmern unter anderem der technische Hintergrund der Telepharmazie, digitale Kompetenzen zur leitliniengerechten Beratung zu verschiedenen Indikationen sowie pharmazeutischen Fachgebieten sowie der Einsatz der Körpersprache in Webinaren und Präsenzseminaren nähergebracht.

Wir haben mit einer der zehn Referenten des Lehrgangs, Margit Schlenk, gesprochen. Die Apothekerin hat die Telepharmazie-App der Firma Apomondo mitentwickelt, die während des „Lockdowns“ im vergangenen April gestartet ist. Im Interview mit AMIRA-Welt erzählt sie, welche Vorteile die Weiterbildung für Apothekenmitarbeiter(innen) bringt und warum die Telepharmazie die Vor-Ort-Apotheke stärkt.


Frau Schlenk, seitens der Apothekerkammern und auch der Industrie gibt es ein relativ großes Angebot an Fort- und Weiterbildungen. Warum brauchen wir denn eine Weiterbildung zur Telepharmazie?

Schlenk: Nicht nur – aber auch – im Hinblick auf eine mögliche nächste Pandemiewelle ist es sinnvoll, wenn sich Apothekenmitarbeiter im Bereich Telepharmazie fit machen. Die Vor-Ort-Apotheke sollte auch im Netz der wichtigste und erste Ansprechpartner seiner Kunden sein. Und man kann nur dann ernst genommen werden, wenn man im Bereich der Telepharmazie genauso professionell arbeitet, wie es die Kunden das von anderen Anbietern auch gewohnt sind. Dazu gehört nicht nur eine umfassende Beratung, sondern auch das Setting: Wie installiere ich eine Kamera am Laptop, wie stelle ich den Ton richtig ein, wie sollte das Licht einfallen und wie sieht mein Hintergrund eigentlich aus? Viele unterliegen dem Irrglauben, man könne schon alles.


„Man lernt nie aus“ – sagten schon unsere Lehrer. Welche Lerninhalte kommen denn auf die Teilnehmer zu?

Schlenk: Die Apothekenmitarbeiter(innen) lernen vor allem, wie sie die Beratungsinhalte in einem neuen Medium präsentieren und wie sie dort strukturiert beraten. Das Angebot zusätzlicher Leistungen – wie ein Medikationsmanagement mit Interaktionscheck – kann ebenfalls während des Lehrgangs erlernt werden. Wichtig ist der Fokus auf eine Komplettempfehlung, ausgehend von einem Rezept per Mindmap. Dazu gibt es auch Empfehlungen aus dem Bereich der Ernährungsberatung, die eine umfassende Beratung abrunden. Der Teilnehmer findet Hilfestellungen sowohl auf fachlicher als auch auf optischer, rhetorischer und kommunikativer Ebene.


Die Weiterbildung scheint eine große Bandbreite an Themengebieten abzudecken. Wie können sich die Kolleg(inn)en den Lehrgang vorstellen?

Gearbeitet wird bei den Webinarveranstaltungen ganz modern auch mit sogenannten Breakout Rooms [Anm.d.Red.: Breakout Rooms sind zusätzliche digitale „Räume“, die erstellt werden können, um die gesamte Gruppe von Teilnehmer(innen) in Kleingruppen aufzuteilen]. Doch auch die Präsenzseminare bei der IHK Nürnberg sind wichtig. Hier geht es darum, sich untereinander kennenzulernen, zu netzwerken und sich zu einer Gruppe zusammenzufinden, die auch in der Zukunft beispielsweise über eine WhatsApp-Gruppe verbunden bleiben kann.


Wie lange dauert die Fortbildung insgesamt und wie erhält man das Zertifikat?

Schlenk: Es ist eine insgesamt 7-tägige Veranstaltung mit insgesamt 50 Unterrichtsstunden, davon 3-tätige Webinarveranstaltung und 4-tägiges Präsenzseminar in den Räumlichkeiten der IHK Nürnberg. Dort ist auch genug Platz, um den Corona-bedingten Sicherheitsabstand einzuhalten. Anschließend können die Teilnehmer an der freiwilligen IHK-Zertifikatsprüfung teilnehmen, die am Seminarende stattfindet. An Ihrem Laptop beantworten sie online-gestützt Multiple-Choice- sowie offene Fragen und müssen außerdem noch live eine Telepharmazie-Beratung durchführen. Alle Teilnehmer des Zertifikatlehrgangs erhalten einen Teilnahmenachweis mit den ausgewiesenen Fortbildungspunkten.


Kommen wir nun auf das Finanzielle zu sprechen: Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Schlenk: Der Lehrgang kostet – egal ob PTA, Pharmazieingenieur oder Apotheker – 1500 Euro Lehrgangsgebühren und 100 Euro zusätzlich für das freiwillige IHK-Zertifikat. Es gibt allerdings auch Fördermöglichkeiten von bis zu 1000 Euro. Es können je nach Bundesland Weiterbildungschecks von 500 Euro und zusätzlich nochmals 500 Euro beantragt werden. Informationen zu den Fördermöglichkeiten erhält man über die jeweilige lokale IHK. Weiterhin kommen noch Reise- und Übernachtungskosten für die zweimalige Anreise und vier Übernachtungen in Nürnberg hinzu.


An wen können sich Apothekenmitarbeiter(innen) wenden, wenn sie noch Fragen zum Lehrgang haben?

Schlenk: Beratung zum Inhalt und zum Ablauf gibt es bei der Firma Apomondo. Die Anmeldung zum Lehrgang erfolgt hingegen online oder direkt bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken.

 

Vielen Dank für Ihre Zeit, Frau Schlenk!

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 06.08.2020.

 

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