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Wochenrückblick 20. – 24. Juli 2020

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Von AMIRA-Redaktion

Telematikinfrastruktur, neue E-Rezept-Homepage und das leidige Thema „Lieferengpässe“ – viel Spaß bei der Lektüre unseres Wochenrückblicks.


Telematikinfrastruktur

Lange hat die Pilotphase gedauert, seit gestern ist es soweit: Die ersten Apotheken in Deutschland sind an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen. Mit dem System ist es ihnen künftig möglich, elektronische Rezepte, Medikationspläne und Patientenakten zu empfangen und zu bearbeiten. In den nächsten Monaten sollen alle anderen Apotheken in Deutschland folgen. Ziel ist es, alle Beteiligten im Gesundheitswesen miteinander zu vernetzen, damit medizinische Informationen, die für die Behandlung von Patienten nötig sind, schneller und einfacher zur Verfügung stehen.


E-Rezept

Ab dem 1. Januar 2022 wird das rosafarbene Papierrezept der Vergangenheit angehören, doch das E-Rezept wirft längst seine Schatten voraus. Seit gestern informiert die ABDA nun mittels einer neuen Homepage über die digitale Variante. Unter www.daserezeptkommt.de/  wird erklärt, wie das E-Rezept funktioniert.


AMK-Äquivalenzdosen

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) hat auch in dieser Woche ihre Äquivalenzdosentabellen erweitert. Neu sind Äquivalenzdosen für Nicht-Opioid-Analgetika und Antidiabetika. Zur Erinnerung: Die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung (SARS-CoV-2-AM-VersVO) erlaubt es Apotheken, im Fall der Nichtverfügbarkeit eines verordneten Arzneimittels, was in Zeiten von Lieferengpässen durchaus häufiger vorkommt, nach Rücksprache mit dem Arzt ein pharmakologisch-therapeutisch vergleichbares Arzneimittel abzugeben. Das wird auch als Aut-simile-Substitution bezeichnet. Die Verordnung war Ende April in Kraft getreten.


Lieferengpässe

Apropos Lieferengpässe: Das leidige Thema beschäftigt Apotheker, Kunden und Politik gleichermaßen. Um ihm Herr zu werden, ist aus dem nun vor einigen Jahren eingeführte „Jour Fixe“ ein offizieller Beirat des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte geworden. Am Mittwoch nahm er seine Arbeit auf. Aufgabe sei es, die Versorgungslage mit Arzneimitteln, die zur Anwendung bei Menschen bestimmt sind, kontinuierlich zu beobachten und zu bewerten: „Hierzu gehört insbesondere die Unterstützung der Bundesoberbehörden bei der Bewertung der Versorgungsrelevanz eines Lieferengpasses unter Berücksichtigung möglicher bestehender Therapiealternativen sowie die Ausarbeitung von Empfehlungen zur Verbesserung der Versorgungssituation“, schreibt die ABDA.


Grippeimpfung

Anfang Juli ging der Apothekerverband Nordrhein (AKNR) deutschlandweit den ersten Schritt, nun dürfte die nächste Vereinbarung zu Modellprojekten zur Grippeimpfung in Apotheken folgen. Medienberichten zufolge sind die Verhandlungen zwischen der AOK und dem Bayerischen Apothekerverband in die heiße Phase getreten. Modellregion soll demnach die Oberpfalz werden.

Das Thema sorgt seit Monaten für Kontroversen zwischen Ärzten und Apothekern. Einer nicht repräsentativen DAZ.online-Umfrage zufolge steht eine Mehrheit der Apotheker in Deutschland Grippeimpfungen in Apotheken zumindest aufgeschlossen gegenüber.


Nachwuchssorgen allenthalben

Nicht nur die Apotheken haben damit zu kämpfen, auch in fast allen anderen Bereichen des Gesundheitswesens mangelt es an Nachwuchskräften. Erfreuliche Nachrichten gibt es dazu diese Woche aus Hessen. Ab dem 1. August übernimmt das Land die Schulgebühren für die drei PTA-Schulen dort – ebenso für alle anderen Auszubildenden in den Gesundheitsfachberufen. Damit soll kurzfristig für mehr Attraktivität gesorgt werden – und mittel- und langfristig für eine Entlastung beim Fachkräftemangel. Insgesamt profitieren laut Ministerium unabhängig vom Ausbildungsjahr rund 2.400 Azubis von der Kostenübernahme.

Weniger erfreulich sind die „Neuigkeiten“ aus Brandenburg. Dort kämpft die Apothekerkammer bereits seit sieben Jahren für einen Pharmazie-Studiengang im Flächenstaat. In den kommenden Jahren droht nämlich ein großes Problem: Viele Apotheken-Inhaber gehen in Rente und finden keine Nachfolger. Den anstehenden Aufbau der Medizinischen Fakultät in Cottbus nahm der Vorsitzende der Landesapothekerkammer nun zum Anlass, im Tagesspiegel seiner Forderung nach einem Studiengang für seine Berufsgruppe Nachdruck zu verleihen.


Corona: Arzneimittel- und Impffstofforschung

Die Infektionszahlen gehen in die Höhe und erhöhen indirekt den Druck, wirksame Gegenmittel und letztlich einen Impfstoff zu entwickeln. In dieser Woche haben Forscher 13 weitere Hoffnungsträger identifiziert, die den Kampf gegen das Coronavirus bald unterstützen könnten. Besonders hoben die Wissenschaftler drei Substanzen hervor: ONO 5334, MDL 28170 und Apilimod. Die beiden Erstgenannten wirkten als Cystein-Protease-Hemmer, der dritte Arzneistoff soll als Medikament zur Behandlung von Morbus Crohn entwickelt werden.  Alle drei reduzierten in kultiviertem Lungengewebe die Anzahl infizierter Zellen um mindestens 65 Prozent.


Querbeet

  • Regelmäßig geben Apotheken Medizinprodukte wie Milchpumpen heraus. Eine elektronische Datenbank des Deutschen Apothekerverbands (DAV) soll nun helfen, den sachgerechten Einsatz und die regelmäßige Wartung von Medizinprodukten systematisch zu erfassen und zu kontrollieren. Zu erreichen ist das Portal unter dav-mpv.de. Ganz ausgereift ist das neue System aber noch nicht. So könne noch nicht jede Apotheke daran teilnehmen, zudem müssten die Produkte händisch von der Apotheke selbst in die Datenbank eingepflegt werden. Der DAV arbeitet nach eigenen Angaben daran, diese Missstände zu beheben.
  • Noch in diesem Jahr will der Großhändler Noweda seinen Kunden helfen, den Botendienst zu organisieren. Die Vorteile für die Apotheken: Sie müssen keine eigenen Botendienststrukturen unterhalten und können das Angebot „völlig flexibel der Nachfrage anpassen“, teilte Noweda mit.
  • Viele Großveranstaltungen fallen in diesem Jahr der weltweiten Pandemie zum Opfer, betroffen ist auch die jährliche Expopharm, die Anfang Oktober in München stattfinden sollte. Die Avoxa hat nun eine digitale „Ersatz-Messe“ entwickelt: die „Expopharm Impuls“. Als Termin ist der Zeitraum zwischen dem 5. und 8. Oktober vorgesehen. Dauerhaft ersetzen wird das Konzept die Fachmesse allerdings nicht. Es soll nach den Plänen von Avoxa aber auch zukünftig als Ergänzung der Expopharm bestehen bleiben, teilte die Mediengruppe der deutschen Apotheker mit.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 25.07.2020.

 

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