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Wochenrückblick: 6. – 10. Juli 2020

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Von AMIRA-Redaktion

Corona-Bonus, Botendienstpauschale, Grippeimpfungen und mehr: Auch diese Woche haben wir für dich die wichtigsten Nachrichten und Informationen rund um die Apotheke zusammengestellt.

ADEXA-Umfrage zum „Corona-Bonus“

Anfang April hatten die Apothekengewerkschaft ADEXA und der Arbeitgeberverband ADA für die steuer- und sozialabgabenfreie Bonuszahlung bis 1.500 Euro geworben, um Apothekenteams für ihre Leistung und besondere Belastung in der Pandemie zu würdigen. In der Folge startete ADEXA eine Umfrage, um zu erfahren, wie viele Apothekenmitarbeiter bisher einen Bonus erhalten haben. Das Ergebnis fällt eher ernüchternd aus: Rund 61 Prozent der teilnehmenden Apothekenangestellten erhielten demnach maximal 500 Euro. Bei gut zehn Prozent betrug der Bonus zwischen 500 und 1.000 Euro. Und sieben Prozent konnten sich über eine Prämie zwischen 1.000 und 1.500 Euro freuen. Bei rund 23 Prozent stand die Höhe noch nicht fest.

Eine Corona-Sonderzahlung hatten sich auch viele Teilnehmer einer von AMIRA-Welt initiierten Umfrage im April gewünscht.

Botendienstpauschale kommt

Was sich zuletzt abgezeichnet hatte, kommt demnächst: Ab Ende September 2020 können sich die Apotheken auf die Auszahlung der einmaligen Pauschale von 250 Euro (netto) für den Botendienst freuen. Ursprünglich sollte es bereits Ende April – als die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung in Kraft trat – soweit sein. Zweck der Pauschale ist, dass die Apotheken sich in Corona-Zeiten für ihre Botendienste mit dringend notwendiger Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln eindecken können. „Es ist kein Antragsverfahren nötig. Alle Apotheken, die mindestens einmal die Sonder-PZN 06461110 für Botendienste abgerechnet haben, bekommen die Überweisung. Der Nacht- und Notdienstfonds des DAV garantiert eine schnelle und bürokratiearme Abwicklung“, teilte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands Fritz Becker mit. Die fünf Euro Aufwandspauschale für den NNF hält Becker „für gut vertretbar“.

Urteil: Zugabeverbot „zumutbar“

Deutsche Apotheken dürfen ihren Kunden auch nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 19. Oktober 2016 keine Zugaben versprechen, wenn sie Rx-Arzneimittel abgeben. Diese Diskriminierung gegenüber EU-Versendern, denen solche Zuwendungen erlaubt sind, sei annehmbar, entschied am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig und setzte damit einen Schlusspunkt unter den sogenannten „Kuschelsocken“-Streit. „Angesichts des bislang geringen Marktanteils der ausländischen Arzneimittelversender an der Abgabe von rezeptpflichtigen Arzneimitteln in Deutschland ist die Preisbindung für die inländischen Apotheken weiterhin zumutbar“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Quartalszahlen liegen vor: Online-Handel profitiert

Das dürfte nicht allen gefallen: Während die Vor-Ort-Apotheken mit deutlichen Rückgängen bei den Rezeptzahlen und im OTC-Absatz zu kämpfen haben, dürfen sich die Online-Arzneimittelhändler über hohe Umsatzsteigerungen freuen. Die Shop Apotheke etwa gab am Montag bekannt, dass ihre Umsätze im 2. Quartal des Jahres um satte 42 Prozent gestiegen seien. Der holländische Versender setzte von April bis Juni insgesamt 233 Millionen Euro um. Im Vorjahreszeitraum betrug das Volumen noch 164 Mio. Euro. Der „E-Commerce-Verband“ gibt die Umsatzsteigerungen der Versandapotheken im 2. Quartal mit 67,1 Prozent auf 267 Millionen Euro brutto an. Und die Prognosen verheißen nichts Gutes. Der Trend dürfte auch nach der Pandemie weiter anhalten und Richtung Versandapotheken gehen.

Grippeimpfungen in Apotheken nehmen Form an

Das erste Modellprojekt steht: Ab September sollen Apotheken Grippeimpfungen vornehmen können. Darauf einigten sich die AOK Rheinland/Hamburg und der Apothekerverband Nordrhein. Die pauschale Vergütung pro Impfung soll demnach 12,61 Euro netto betragen. Das letzte Wort scheint aber noch nicht gesprochen. Die Ärztekammer Nordrhein kritisiert das Vorhaben scharf: „Nur Ärztinnen und Ärzte sind qualifiziert für die Impfanamnese, den Ausschluss akuter Erkrankungen und die Aufklärung zur Impfung.“

BAK lehnt Mittel zur staatlich regulierten Selbsttötung ab

Sterbehilfe ist in Deutschland ein sensibles und vieldiskutiertes Thema. Anfang des Jahres hat das Bundesverfassungsgericht das Sterbehilfeverbot für verfassungswidrig befunden. Nun will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Regulierung finden, die sich mit dem Grundgesetz verträgt. Zu der Frage, ob der Staat die Abgabe eines Mittels zur Selbsttötung regulieren sollte, äußert sich die Bundesapothekerkammer (BAK) explizit nicht. Sie ist auch gegen die in der Diskussion befindliche Substanz Natrium-Pentobarbital als Mittel zur staatlich regulierten Selbsttötung. Die Risiken einer unbeaufsichtigten Anwendung stuft sie als zu hoch ein, denn die tödliche Wirkung ginge nicht immer wie beabsichtigt vonstatten.

Rund um Covid-19 – neue Entwicklungen

Berlin Cures hat präklinischen Tests zufolge einen Wirkstoff entwickelt, der in der Lage sein soll, das Coronavirus zu neutralisieren. Es nennt sich „BC 007“. Klinische Studien sollen bald starten. Da der Wirkstoff bereits in einer Phase-II-Studie an herzkranken Patienten erprobt werde, sei der Schritt in eine weitere klinische Phase-II/III-Studie reine Formsache, heißt es in der Pressemitteilung.

Forscher um Ehsan Asghari von der Universität Bielefeld haben ein Coronatest-Verfahren erprobt, das ein sehr schnelles Ergebnis liefere. Hierfür prüften sie das Gerät „NextGenPCR“ der niederländischen Firma Molecular Biology Systems. Es könne die für die Vervielfältigung der DNA notwendigen Zyklen von Abkühlung und Erhitzen der Proben um ein Vielfaches schneller als andere PCR-Geräte durchführen. Der Test dauere samt Ergebnis nur 16 Minuten. Als Standard galten bisher zwei Stunden.

Digital-Ministerium – technischer Progress schreitet voran

In der kommenden Legislaturperiode wird es ein Digital-Ministerium geben. Das kündigte die Digitalisierungsbeauftragte der Bundesregierung Dorothee Bär (CSU) im Handelsblatt an. Ein neu geschaffenes Ministerium für Digitales könnte verschiedene Referate aus unterschiedlichen Ministerien bündeln, die sich mit denselben Themen befassen. Aktuell gibt es bereits eine Abteilung für Digitalpolitik im Kanzleramt, ein Digitalkabinett sowie einen Digitalrat. Die Corona-Pandemie habe der Digitalisierung den dringend benötigten Schub gegeben, sagte Bär. Bei technischen Innovationen gehe es schließlich nicht um Luxus, sondern um „eine zwingende Notwendigkeit, um unseren Wohlstand und unsere Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft zu sichern“. Welche konkreten Auswirkungen ein solches Ministerium für das Apothekenwesen haben wird, bleibt abzuwarten. Ein wichtiges Thema dürfte allerdings das E-Rezept darstellen.


Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 11.07.2020.

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