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Wochenrückblick: 29. Juni – 3. Juli 2020

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Von AMIRA-Redaktion


Remdesivir, Mehrwertsteuersenkung, hohe Auszeichnung für Apothekerin und mehr: Auch diese Woche haben wir für dich die wichtigsten Nachrichten und Informationen rund um die Apotheke zusammengestellt.


Remdesivir: Novum und Ärger um die USA

Die Europäische Kommission hat am Freitag grünes Licht für die Zulassung von Remdesivir gegeben. Bereits zuvor hatte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfohlen, das Medikament für die Therapie von Corona-Patienten zugänglich zu machen − allerdings unter Auflagen: Es darf zunächst nur rund ein Jahr lang in der EU vertrieben werden, bis weitere Daten zu seiner Wirkung und möglichen Nebenwirkungen erhoben sind. Behandelt werden sollen vor allem erwachsene Covid-19-Patienten, die von einer Lungenentzündung betroffen und auf zusätzlichen Sauerstoff angewiesen sind. Eine Studie hatte gezeigt, dass manche an Covid-19-Erkrankte nach der Einnahme von Remdesivir schneller genesen. Ursprünglich wurde der Wirkstoff für die Behandlung von Ebola entwickelt, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg.

Irritationen lösten derweil die weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen USA aus, die sich Medienberichten zufolge einen Großteil der bis September geplanten Dosen an Remdesivir gesichert haben sollen. Die Deutsche Presse-Agentur meldete am Donnerstag, dass nun auch die Europäische Union mit Remdesivir-Hersteller Gilead verhandelt. Die Bundesregierung rechnet trotz des „Groß-Einkaufs der USA nicht mit einem Engpass beim Corona-Mittel Remdesivir“.


Änderung der Mehrwertsteuer und Festbeträge

Seit Mittwoch gelten in den Apotheken andere Preise. Hintergrund ist die Senkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel. Bis zum 31. Dezember des laufenden Jahres wurde diese von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Bei den rezeptpflichtigen Medikamenten mit ihren bundesweiten Festpreisen werde diese Anpassung in der Apothekensoftware bereits berücksichtigt, teilt die ABDA mit: „Hier können sich für gesetzlich versicherte Patienten durchaus Einsparungen bei der gesetzlichen Zuzahlung ergeben. Ein bisheriger Apothekenverkaufspreis (AVP) von 100,00 Euro würde auf 97,47 Euro sinken, so dass die gesetzliche 10-prozentige Zuzahlung von 10,00 Euro auf 9,75 Euro sinkt – der Patient spart also 25 Cent.“ Zum 1. Juli 2020 haben sich auch viele Festbeträge – das sind die Erstattungshöchstbeträge der Krankenkassen für bestimmte Wirkstoffe − geändert. Betroffen sind in erster Linie verordnungsstarke Protonenpumpenhemmer (Magensäureblocker) und Statine (Cholesterinsenker) in fünf Wirkstoffgruppen.


Stärkung der Vor-Ort-Apotheke

In der Pandemie ist die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheke nochmal deutlich geworden. Nun kommt Bewegung in das geplante Vor-Ort-Apothekenstärkungsgesetz (VOASG): Wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet, will der Bundestag am 11. September erstmals darüber beraten. Viel sei allerdings nicht mehr übrig geblieben vom ursprünglichen VOASG-Entwurf, schreibt das Medium. Unter anderem habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Zuweisungsverbot für E-Rezepte sowie die Möglichkeit, Wiederholungsrezepte auszustellen oder im Rahmen von Modellprojekten gegen Grippe zu impfen, vorab aus dem Entwurf gestrichen. Ziel der Gesetzesinitiative ist es, die Wettbewerbsschieflage zwischen Versendern aus dem EU-Ausland und deutschen Apotheken geradezurücken.


Starker Preisanstieg bei API

Die Preise für pharmazeutische Wirkstoffe (API) aus China sind stark gestiegen. Das ist vor allem für den indischen Pharma-Markt, der weiterhin von den Importen aus dem östlichen Nachbarland abhängig ist, von Relevanz. Dem indischen Portal „pharmabiz.com“ zufolge sind die Preise für aus China importierte Wirkstoffe von Januar bis Juni 2020 im Durchschnitt um 20 bis 30 Prozent gestiegen. Das dürfte nicht ohne Folgen für die weltweiten Arzneimittelpreise bleiben.


Bundesverdienstkreuz für Apothekerin

Große Ehre für die Apothekerin Monika Koch: Die einstige Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbands (SAV) erhielt am Donnerstag das Bundesverdienstkreuz. Im Rahmen einer Feierstunde in der Sächsischen Staatskanzlei übergab ihr der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die Auszeichnung. Koch verdiente sie sich durch ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement für das Apothekenwesen und die allgemeine Gesundheitsversorgung. Das Bundesverdienstkreuz ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Die langjährige Vorsitzende des SAV (1994 bis 2014) war übrigens auch die erste Frau im ABDA-Gesamtvorstand.


Grippeimpfungen bald auch in Apotheken möglich?

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) scheint ihren Widerstand gegen Grippeimpfungen in Apotheken aufzugeben. Das jedenfalls geht aus einer Pressemitteilung hervor, die das Ärzteorgan diese Woche als Reaktion auf eine Aussage von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt veröffentlicht hat. In der Mitteilung ist die Rede von einer „gemeinsamen Linie“ und dass man sich „in der Sache einig“ sei. Schmidt hatte zuvor wissen lassen, dass Impfen primär eine ärztliche Angelegenheit bleibe. Wenn es aber „übergeordnete Gründe“ gebe, seien die Apotheker bereit zu helfen. Dazu zählte der ABDA-Präsident zum Beispiel Massenimpfungen gegen Grippe und Covid-19. Die neue Entwicklung kommt einer Kehrtwende der KBV gleich: Noch vor gut einem Jahr hatte sie sich strikt gegen Grippeimpfungen in Apotheken ausgesprochen.


Was wird aus den Minusstunden der letzten Monate?

Die Corona-Pandemie hat die Apotheken in mehrfacher Hinsicht vor Herausforderungen gestellt. Eine Ebene, die sich in den letzten Wochen auftat, betrifft das Arbeitsrecht. Gegenüber DAZ.online erklärte die Apothekengewerkschaft ADEXA, dass Minusstunden nicht nachgearbeitet werden müssen


Virenschleuder Klimaanlage? Experten beschwichtigen

Der Apothekenbetriebsordnung zufolge sind Betriebsräume ausreichend zu belüften sowie gegebenenfalls zu klimatisieren. Das ist vor allem für die Lagerhaltung von Arzneimitteln besonders wichtig. In der Regel leistet dies eine Klimaanlage. In China wurden in einem Restaurant laut Medienberichten Coronaviren durch eine Klimaanlage übertragen. Das warf die Frage nach der Sicherheit von Kühlungs- und Belüftungssysteme auf. Experten sehen allerdings keine große Gefahr. DAZ.online hat die wichtigsten Tipps für das Arbeiten in der Apotheke zusammengefasst. Unter anderem sollten Klimaanlagen nicht abgeschaltet, sondern auch nach Feierabend mit geringer Leistung laufen gelassen werden. Außerdem sollte die Luftfeuchtigkeit zwischen 40 bis 60 Prozent liegen, um die Infektanfälligkeit des Menschen zu verringern, die Bildung von Aerosolen aus Tröpfchen bei zu trockener Luft zu verhindern und das Aufwirbeln von Partikeln von Oberflächen zu unterdrücken.


Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 04.07.2020.


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