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Gefahrstoffe (Teil 1): Kennzeichnung von Standgefäßen

in Rezeptur & Gesundheit 131 Kommentare 670 Views

Von Eva Bahn


Für eine geraume Zeit wurde in der Apotheke mit sogenannten „Separanda“ und „Venena“ aus der DAC-Anlage K gearbeitet. Sie waren unter Verschluss zu lagern, wenn sie in roter Schrift auf Weiß oder weißer Schrift auf Schwarz gekennzeichnet waren. Inzwischen haben diese farblichen Kennzeichnungen ausgedient. Es gilt das neue Farbkonzept der BAK mit bunten Punkten. Welche Farben werden eingesetzt und welche Definition kommt ihnen zu? Und was ist der Unterschied zwischen BAK-Punkten, CMR-Kategorien, GHS-Kennzeichnung sowie H- und P-Sätzen? Diese und weitere Fragen werden im Folgenden geklärt.


Definition von Gefahrstoffen

Laut Gefahrstoffverordnung sind Stoffe und Gemische gefährlich, wenn sie folgende Eigenschaften besitzen:

  • Sie können chronische Schäden verursachen.
  • Sie sind explosionsgefährlich.
  • Bei ihrer Herstellung/Verwendung können gefährliche oder explosionsgefährliche Stoffe/Zubereitungen entstehen bzw. freigesetzt werden.
  • Sie zählen zu den sonstigen gesundheits- und sicherheitsgefährdenden chemischen Arbeitsstoffen.


Kontrollbesuch durch den Pharmazierat & deine Vorbereitung

Ein Pharmazierat begutachtet besonders, ob das Farbkonzept in der Apotheke angewandt wird und jedes Standgefäß die geforderte Kennzeichnung nach der EG-CLP-Verordnung trägt. Zusätzlich wird das Fachwissen der Mitarbeiter zu diesem Thema abgefragt. Ob PKA oder PTA, die ihren Arbeitsschwerpunkt mehr im HV als im Labor oder der Rezeptur hat, spielt dabei keine Rolle.

Die beste und einfachste Lösung: Druck eine kleine Übersicht des Farbschemas aus und hänge es in die Rezeptur. Alle Mitarbeiter sollten über die Anbringung informiert werden. Dieses Vorgehen genügt dem Pharmazierat üblicherweise.


Einstufung & Kennzeichnung von Gefahrstoffen

Die EG-CLP-Verordnung ist eine EU-Chemikalienverordnung, die die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen regelt. Sie ist seit 2012 für Reinsubstanzen und seit 2015 für Zubereitungen und Gemische obligatorisch. Hier findest du die einzelnen Arbeitshilfen zur Einstufung und Kennzeichnung:

  • Anhang I regelt die Vorschriften für die Einstufung und Kennzeichnung von gefährlichen Stoffen und Gemischen.
  • Anhang II enthält besondere Vorschriften für die Kennzeichnung und Verpackung – beispielsweise die Verwendung eines kindergesicherten Verschlusses oder tastbaren Warnhinweisen.
  • Anhang III beinhaltet die H-Sätze – die Gefahrenhinweise, die du für die Kennzeichnung mit dem Farbschema brauchst.
  • Anhang IV enthält die P-Sätze – die Sicherheitshinweise für ungesicherte Stoffe, denen man ausgesetzt war, die korrekte Entsorgung und mehr.
  • Anhang V bezeichnet die Gefahrenpiktogramme.
  • Anhang VI erklärt die EG-Stoffliste mit der harmonisierten Einstufung und Kennzeichnung für bestimmte gefährliche Stoffe.
  • Anhang VII umfasst eine Umwandlungstabelle.

Belasse die Wirkstoffe für die Rezeptur am besten im Originalgefäß des Herstellers, denn dieses ist auf jeden Fall ausreichend beschriftet. Falls das Originalgefäß aus irgendwelchen Gründen keine Option ist, orientiere dich unbedingt am aktuellen Sicherheitsdatenblatt für eine exakte Kennzeichnung.

Hier findest du eine Übersicht zu den Gefahrensymbolen bzw. Piktogrammen.


Wichtig! Der Name des Stoffes, die H-Sätze, das Farbschema und die Gefahrenpiktogramme müssen immer auf dem Standgefäß vermerkt sein.


H-Sätze und deren Einordnung

Die H-Sätze sind in Gruppen eingeordnet, die die Art der Gefahr kennzeichnet, die von ihnen ausgeht:

  • H200: Physikalische Gefahren (bspw.: H228 = entzündbarer Feststoff)
  • H300: Gesundheitsgefahren (bspw.: H311 = giftig bei Hautkontakt)
  • H400: Umweltgefahren (bspw.: H412 = schädlich für Wasserorganismen, langfristige Wirkung)

Alle Punkte im Farbschema der BAK sind der H300er-Reihe zugeordnet und beinhalten die CMR-Stoffe (carcinogen – H350, mutagen – H340 oder reproduktionstoxisch – H360). Deren gemeinsame Kategorie ist das Piktogramm GHS08, der sogenannte „strahlende Mittelfeldraum“. Sie müssen unter Verschluss gelagert werden. Nähere Informationen zur Lagerung folgen in Teil 3 unserer kleinen Reihe zu den Gefahrstoffen. Teil 2 klärt zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen auf, die du an deine Kunden abgibst.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 24.06.2020.

 

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