Amira® Magazin  » Artikel durchsuchen  » Wissens-Check: Emulsionen in der Pharmazie

Wissens-Check: Emulsionen in der Pharmazie

in Beruf & HV 232 Kommentare 1.145 Views

Von Eva Bahn

Wie fit bist du im Thema Emulsionen? Hier kommt eine kleine Zusammenfassung der Dinge, die du zu Emulsionen in der Pharmazie unbedingt wissen solltest – so frischst du ganz schnell dein Wissen auf!

Definition

Der Begriff „Emulsion“ leitet sich vom lateinischen Wort „emulgere“ (ausmelken) ab.

Eine Emulsion …

  • … ist ein Gemenge aus zwei nicht zu mischenden, ineinander unlösbaren Flüssigkeiten, bei dem die eine Flüssigkeit in Form kleiner Tröpfchen in der anderen verteilt ist.
  • … besteht aus einer inneren, dispergierten sowie äußeren, geschlossenen Phase;
  • … besteht aus einem Teil, der wasserliebend (hydrophil) und fettliebend (lipophil) ist;
  • … würde ohne den Zusatz von Emulgatoren (Hilfsstoffen) brechen, d.h. die Phasen würden sich nicht vermengen und stabilisieren;
  • … wird unterschieden in Wasser-in-ÖL (W/O), Öl-inWasser (O/W) und multiple Emulsionen (Mischemulsionen/ambiphile Emulsionen aus gleichen Teilen Wasser und Öl).


Emulgatoren …

  • … sind in „Tabellen für die Rezeptur“ unter der Rubrik „Tenside – Emulgatoren und Solubilisatoren“ zu finden;
  • … haben einen lipophilen und einen hydrophilen Molkekülanteil;
  • … sammeln sich an den Grenzflächen und den Berührungsflächen von Wasser sowie Öl und verbinden die Phasen miteinander;
  • … bewirken ein Zusammenfließen der Phasen, wenn Lücken im Emulgatorfilm vorhanden sind;
  • … stören die Bildung, wenn sie zu viel eingesetzt werden.


Die Herstellung von Emulsionen im Überblick

  • Kontinentale Methode (Suspensionsmethode): Der Emulgator wird in die innere Phase suspendiert und in die äußere eingearbeitet. Dabei hört man ein knackendes Geräusch bei der Phasenumkehr. Diese Technik wird nur für O/W- Emulsionen genutzt.
  • Englische Methode (Lösungsmethode): Der Emulgator wird in die äußere Phase gelöst, und in die innere Phase im Bezug auf O/W und W/O eingearbeitet. Dieses Vorgehen erfordert ein intensives Rühren!
  • Kombinationsmethode (Aufschaukelmethode): Ein Emulsionskern wird aus einem Teil der inneren und einem Teil der äußeren Phase mit dem Emulgator gebildet. Die Restmengen beider werden abwechselnd eingearbeitet.
  • Schichtmethode: Beide Phasen werden aufeinandergeschichtet und durch kräftiges Schütteln oder intensives Rühren miteinander verbunden (z. B. zur Herstellung von Kalkliniment (DAB6)).
  • Paste-Methode: Der Emulgator wird zunächst in 25 Prozent der wässrigen Phase gelöst und daraufhin mit der kompletten Ölphase versetzt. Danach wird die restliche Wasserphase eingearbeitet (für sehr hydrophile Tenside -> O/W-Emulsionen).
  • PIT-Methode: Die Phaseninversionstemperatur (PIT) ist die Temperatur, bei der sich die Phasen einer Emulsion umkehren. Wenn beispielsweise eine Emulsion mit dem ionogenen Emulgator Lanette N im warmen Zustand gemischt wird, entsteht zunächst eine W/O-Emulsion. Kühlt das Gemenge ab und wird gut gerührt, umgibt sich der ionogene Molekülanteil mit immer mehr Wassermolekülen und es entsteht eine O/W-Emulsion. Wenn das Rühren unterlassen wird, bricht die Emulsion!


Die Behältnisse für Emulgatoren umfassen folgende Details:

  • Für die äußerliche Anwendung: Quetschflasche oder Weithalsglas mit Spatel
  • Für die innerliche Anwendung: Medizinflasche mit Dosierlöffel, Dosierpipette oder Messbecher
  • Bei Nasentropfen mit einer geeigneter Dosierpipette
  • Das Etikett beinhaltet den Hinweis „Vor Gebrauch schütteln“
  • Verfalldatum: Die Emulsion hält sich wasserfrei oder konserviert über sechs Monate – unkonserviert nur eine Woche: Als Nasenemulsion in einer konservierten Tube oder konserviertem Spender übersteht sie drei Monate, unkonserviert eine Woche: In konservierten Pipettenflaschen kann das Produkt zwei Wochen, im unkonservierten Zustand 24 Stunden genutzt werden.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 12.06.2020.

Kommentare

232 Kommentare