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Covid-19: So steht es um die Wirkstoffkandidaten

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Von Nina Bürger


Während weltweit Millionen Menschen an dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 sterben, wird unter Hochdruck neben einem Impfstoff auch nach Medikamenten geforscht. Dabei stehen bereits für andere Krankheiten erprobte Wirkstoffe im Fokus. Zu einem großen Durchbruch kam es bislang bei keinem der Kandidaten. Zu gering sind die Erfahrungen mit Covid-19, zu unbekannt die Nebenwirkungen. Wir haben für dich den Status zu den möglichen Wirkstoffkandidaten zusammengefasst.


Remdesivir könnte Dauer von Covid-19 verkürzen

Das antivirale Medikament Remdesivir befindet sich für die Behandlung von Sars-Cov-2 in Deutschland seit Februar 2020 in der klinischen Erprobung. Wie alle antiviralen Wirkstoffe soll Remdesivir verhindern, dass die gefährlichen Viren mit Hilfe menschlicher Zellen ihr Erbgut vermehren und sich so im Körper ausbreiten. Remdesivir wurde ursprünglich von dem US-Pharmaunternehmen Gilead für Ebola, MERS sowie SARS entwickelt und getestet. Zulassungen für den Notfallgebrauch zur Therapie von Covid-19 bestehen bereits in den USA und Japan.

Bislang belegt eine Studie mit rund 1.000 Erkrankten, dass einige mit Remdesivir behandelte Covid-19-Patienten schneller gesund wurden. Bei ihnen verkürzte sich die Krankheitsdauer um rund vier Tage, während sich die Schwere der Erkrankung kaum minderte. Zurzeit weiß man noch nicht, zu welchem Zeitpunkt der Erkrankung das Medikament am besten eingesetzt wird. Große Studien stehen noch aus. Auch ist nur wenig über die Nebenwirkungen bekannt, wie Wissenschaftler warnen. Eine bedingte Marktzulassung von Remdesivir für Europa ist dennoch geplant.


Herzrhythmusstörungen durch Chloroquin?

Als Hoffnungsträger galten seit Beginn der Pandemie auch Hydroxychloroquin und Chloroquin. Bei ihnen handelt es sich um entzündungshemmende, immunmodelierende, antivirale Wirkstoffe aus der Gruppe der Malariamittel. Verordnet werden sie aber auch zur Behandlung von Arthritis und Lupus.

Allerdings zeigte kürzlich eine Studie der Harvard Medical School in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum am Universitätsspital Zürich, dass die Wirkstoffe bei der Behandlung von Covid-19 vermutlich keinen Nutzen bringen. Für ihre Studie werteten Forscher die Daten von 96.000 Patienten in international 671 Krankenhäusern aus.

Die Sterblichkeitsrate der mit Hydroxychloroquin (18 Prozent) und der mit Chloroquin (16,4 Prozent) behandelten Patienten lag sogar höher als die der Kontrollgruppe (neun Prozent). In Kombination mit Antibiotika war die Sterblichkeit besonders hoch. Für Patienten mit Herzerkrankungen kam es zudem zu lebendbedrohlichen Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen. Die Methodik der im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Untersuchung wurde so stark kritisiert, dass die Weltgesundheitsorganisation Anfang Juni verkündet hat, ihre klinischen Studien zur Wirksamkeit von Hydroxychloroquin gegen Sars-CoV-2 wieder aufzunehmen.


Blutverdünner könnten Komplikation verhindern

Eine realistische Chance für die Behandlung von Patienten mit Covid-19 könnten Blutverdünner und Gerinnungshemmer sein. So zeigten Untersuchungen, dass Thrombosen eine häufige Komplikation von Sars-Cov-2 sind. Betroffene erleiden dann im schlimmsten Fall einen Gefäßverschluss oder Herzinfarkt und sterben daran.

US-Datenwissenschaftler und Mediziner des Hasso-Plattner-Institut für digitale Gesundheit in Mount Sinai werteten Datensätze von 2.773 Covid-19-Patienten aus. Von ihnen erhielten 790 eine höhere Dosis Blutverdünner als die, die üblicherweise zur Vorbeugung von Blutgerinnseln verabreicht wird. Diese Patienten zeigten auf der Intensivstation und auch danach einen besseren Genesungsverlauf. 


Studien aus China: Erfolge mit Favilavir und Dreifach-Kombination

In weiteren Studien werden zurzeit andere antivirale Wirkstoffe getestet. Zu ihnen zählt Favilavir. Eine kleine Studie in China an 35 Patienten zeigte, dass der Wirkstoff die Dauer und Schwere von Covid-19-Erkrankungen mindern könnte.

Das Medikament Avigan mit dem Wirkstoff Favipiravir könnte ebenfalls den Verlauf von Covid-19 lindern, wie berichte aus Japan und China nahelegen. Allerdings fehlen auch hier noch die Ergebnisse von größeren Studien. In größeren Mengen beschafft und eingelagert hat die Bundesregierung den Wirkstoff dennoch.

Auch die gegen HIV eingesetzten Medikamente Lopinavir und Ritonavir sowie die gegen Hepatitis C verwendete Substanz Ribavirin werden auf eine mögliche Wirksamkeit gegen Covid-19 geprüft.

Zuletzt deutete eine Studie aus China darauf hin, dass eine dreifach Kombination von Opinavir/Ritonavir, Interferon beta und Ribavirin bei Patienten mit leichtem bis mittelschweren Covid-19-Verlauf wirksam sein könnte. Die Forscher sehen dabei Synergieeffekte des Ribavirin auf das injizierbare Interferon und einen Proteaseinhibitor (Lopinavir/Ritonavir). Allerdings sind hier die Hinweise und Studien noch viel zu klein, um Aussagen über den erfolgreichen Einsatz dieser Wirkstoffe treffen zu können.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 08.06.2020.

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