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Aus dem „Krisenmodus“ in den Versorgungsalltag

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Von AMIRA-Redaktion


In vielen Lebens- und Arbeitsbereichen werden die strengen Corona-Maßnahmen der letzten Monate inzwischen gelockert. Kinder dürfen wieder in die Kitas und Schulen, Großveranstaltungen werden genehmigt, das Reisen erlaubt. Das wird zwangsläufig dazu führen, dass die Apotheken und ihre Mitarbeiter nicht mehr so sehr im Mittelpunkt stehen werden. Doch ihr Leistungsspektrum kennt nicht nur den Krisenmodus, sondern auch den Versorgungsalltag, der ebenfalls oft mit Herausforderungen verbunden ist. Dazu gehören unter anderem die langanhaltenden Lieferengpässe und bürokratischen Hürden – um nur einige zu nennen. Gerade recht kommt da der alljährliche „Tag der Apotheke“, der auf die Dienstleistungen und Angebote der öffentlichen Apotheken aufmerksam machen will und jedes Jahr am 7. Juni stattfindet.


Weniger Apotheken
− mehr Personal

Der bundesweite Aktionstag, der 1998 ins Leben gerufen wurde, hat zum Ziel, über Funktion und Aufgaben der Apotheken vor Ort im deutschen Gesundheitssystem zu informieren. „Oft haben wir dabei ein Verbraucherthema in den Fokus gerückt, auf das wir besonders aufmerksam machen wollten. Doch dieses Jahr ist alles anders“, sagte Friedemann Schmidt, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), bei einer Pressekonferenz zum Tag der Apotheke und betonte damit ihre immense Bedeutung in der Pandemie. „Das Apothekenwesen in Deutschland hat bei der Bewältigung der Corona-Krise eine wichtige Rolle gespielt − und wird es auch weiterhin tun.“ Doch damit die Apotheken ihre Patienten auch nach der Krise weiterhin zuverlässig versorgen können, würden sie dringend eine ordnungspolitische Perspektive für die nächsten Jahre brauchen, sagt der ABDA-Präsident.

Dabei ist die Entwicklung in der Branche widersprüchlich. In den letzten Jahren hat die Zahl der Apotheken abgenommen. Während es im Jahr 2011 laut der ABDA 21.238 öffentliche Apotheken gab, waren es im vergangenen Jahr nur noch 19.075. Im Gegensatz dazu nimmt die Zahl der Beschäftigten in den Apotheken aber zu. 2019 waren es knapp 160.000 und damit ca. 3.000 mehr als 2017. Sehr hoch ist nach wie vor der Frauenanteil unter den Mitarbeitern (ca. 90 %).


Aktuelle Umfrage: Vertrauen in Apotheker sehr hoch

Mehr als drei Millionen Patienten haben 2019 täglich eine Apotheke aufgesucht. Viele von ihnen haben laut der ABDA eine Stammapotheke; ein Beleg, dass Apotheken und deren Mitarbeitern vertraut wird. Wie sehr, zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH). 78 Prozent der deutschen Bevölkerung haben demnach ein hohes Vertrauen in Apotheker. Sie erreichen damit noch vor den Ärzten den Spitzenwert unter allen abgefragten Akteuren im deutschen Gesundheitssystem, lautet das zentrale Ergebnis des BAH-Gesundheitsmonitors. Insbesondere schätzen die Kunden die verständliche Beratung.

„Die Apotheke ist bei der Bevölkerung besonders beliebt. Die örtliche Verfügbarkeit und die gut zugängliche Beratung und Unterstützung sind gerade in der aktuellen Situation, in der viele Menschen verunsichert sind, von höchster Bedeutung“, kommentiert Dr. Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des BAH, das Ergebnis der Befragung.

Damit das so bleiben kann, würde es sicher helfen, wenn die Arbeitsbedingungen im Apothekenwesen nachhaltig und nicht nur in Krisenzeiten verbessert werden, wie oft gefordert wird. Der Auffassung ist auch der Präsident der ABDA: „Wo es die Versorgung vereinfacht, sollten zur Bewältigung der Pandemie vorübergehend eingeführte Maßnahmen verlängert und perpetuiert werden. Das gilt für die Bezuschussung des Botendienstes, denn in einer alternden Gesellschaft ist die aufsuchende Betreuung eine zukunftsweisende Versorgungsform. Und das gilt auch für die Spielräume, die man den Apotheken zur Bewältigung von Lieferengpässen bei der Abgabe von Medikamenten eingeräumt hat.“

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 07.06.2020.

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