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Update Rezeptbelieferung: Das solltest du wissen

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Von Eva Bahn


In diesen turbulenten Zeiten ändern sich häufig Vorgaben, ohne dass man diese zur Kenntnis genommen hat. Das solltest du zu Entlassrezepten, Ersatzverordnungen aufgrund von Arzneimittelrückrufen, Botendienst-Rezepten und Pflegehilfsmittel-Pauschale wissen.


Entlassrezepte

Die Pseudoarztnummer 4444444 wird benötigt, weil Klinikärzte mit abgeschlossener Facharztausbildung zwar zur Ausstellung eines Entlassrezeptes berechtigt sind, ihnen aber häufig noch die Lebenslange Arztnummer fehlt. Wenn der ausstellende Arzt auch keine Krankenhausarztnummer besitzt, kann er die Pseudoarztnummer verwenden, die von Betäubungsmittel (BtM)- und T-Entlassrezepten aus der Klinik bekannt ist. Mit dem zusätzlichen zweistelligen Facharztgruppencode sollte die Pseudoarztnummer ursprünglich nur bis zum 31. März gelten, nun wurde ihre Gültigkeit bis zum 30. Juni 2020 verlängert. Durch die Verlängerung ihrer Gültigkeit hat die Apotheke bis auf weiteres keine Prüfpflicht und Entlassrezepte können aufgrund dieser Nummer nicht retaxiert werden.

Im Besonderen sind hier bis zum 30. Mai folgende Regelungen wichtig:

  • Entlassrezepte dürfen statt nur drei, nun innerhalb von 6 Werktagen beliefert werden.
  • Arzneimittelpackungen dürfen bis zum größten Normkennzeichen (N3) verordnet werden
  • Verbandmittel, Harn- und Blutteststreifen, bilanzierte Diäten zur enteralen Ernährung dürfen für einen Zeitraum von bis zu 14 Tagen statt bisher sieben Tagen verordnet werden
  • Hilfsmittel dürfen nun auch für eine Dauer von bis zu 14 Tagen verordnet werden.


Ersatzverordnungen

Im Jahr 2019 wurde im SGB V gesetzlich verankert, dass die Ersatzverordnung eines Arzneimittels für den Patienten zuzahlungsfrei sein muss. Diese wird dann nötig, wenn aufgrund eines Arzneimittelrückrufes ein neues Medikament verordnet wird. Seit dem 3. März 2020 gibt es nun eine Sonder-PZN, mit der diese Verordnungen bei der Abgabe gekennzeichnet werden müssen. Du musst diese Rezepte mit der Nummer 06461067 bedrucken und das Tax- und Zuzahlungsfeld mit „0“ ausfüllen. Genauere Regelungen zur Kennzeichnung fehlen noch, werden aber noch kommen, wenn die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband sich dazu beraten haben.


Botendienst-Rezepte: Honorar auch für Privatrezepte

Die Apotheken dürfen für jeden Botendienst je Lieferort und Tag einen Zusatzbetrag von fünf Euro zuzüglich Umsatzsteuer bei den gesetzlichen (GKV) als auch privaten Krankenversicherung (PKV) abrechnen. Bei Kassenrezepten musst du wie folgt vorgehen:

  • Ins PZN-Feld kommt die Sonder-PZN 06461110
  • Im Feld „Faktor“ wird die Ziffer „1“ eingetragen
  • Im Feld „Taxe“ wird der Betrag „595“ eingegeben

Die Taxe „595“ wird dann dem Gesamt-Brutto hinzugerechnet.

 Zusätzlich dazu kann einmalig ein Betrag zur Förderung von Botendiensten in Höhe von 250,00 Euro zuzüglich Umsatzsteuer zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhoben werden. Wie die Abrechnung dieser Zusatzbeträge von 250,00 Euro dann stattfinden wird, ist allerdings noch offen. Hierzu beraten sich der DAV und GKV-Spitzenverband noch.


Pflegehilfsmittel-Pauschale: Auf 60 Euro angehoben

Mit der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung wird ab dem 1. April rückwirkend der Betrag für die Versorgung mit Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch von 40 auf 60 Euro angehoben. Der neue Betrag stellt die Vergütung dar, die ein Leistungserbringer für die Versorgung eines Pflegebedürftigen mit zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmitteln monatlich höchstens in Anspruch nehmen dürfen, ohne dass es insoweit einer Änderung der Verträge nach § 78 Absatz 1 SGB XI bedarf. Praktisch heißt das: Die Apotheken dürfen vorübergehend gegenüber den Pflegekassen auch Preise oberhalb der aktuellen Vertragspreise abrechnen oder abweichend von den Mengenangaben im Vertrag kleinere Mengen zu den Vertragspreisen abgeben, sofern die tatsächlichen Preise die Vertragspreise übersteigen. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 30. September 2020.  

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 07.05.2020.

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