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Vorsicht bei Corona-Schnelltests: Keine Abgabe an Kunden

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Hände weg von Corona-Schnelltests aus der Apotheke! Wer sie als Apothekenmitarbeiter an Endkunden abgibt, kann mit bis zu 30.000 Euro Bußgeld bestraft werden. (Foto: AMIRA-Redaktion)


Von AMIRA-Redaktion

Viele Menschen wollen wissen, ob sie sich bereits mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Doch nicht jeder erhält aufgrund eines vagen Verdachts auch einen Termin zur Testung durch das Gesundheitsamt. Daher kommen viele verunsicherte Kunden in die Apotheken und fragen dort nach einem Schnelltest. Die ein- oder andere Apotheke bietet diese auch ganz offen in ihrem Schaufenster an. Doch das ist ein sehr umstrittenes Gebaren – die Apothekerkammern, die Arzneimittelkommission (AMK) als auch der Bundesverband Deutscher Apothekerverbände (ABDA) raten dringend davon ab.


Keine Abgabe an Laien

Der erste Haken ist der, dass die Tests allesamt ausschließlich für den Gebrauch durch Fachpersonal vorgesehen sind. Ein Verkauf an Endkunden schließt sich daher laut § 3 Absatz 1 Satz 2 der Medizinprodukte Abgabeverordnung (MPAV) aus. Dieser lautet:

„Eine Abgabe von Medizinprodukten, die nicht zur Anwendung durch Laien vorgesehen sind, darf nur an Fachkreise nach § 3 Nummer 17 des Medizinproduktegesetzes erfolgen, es sei denn, eine ärztliche oder zahnärztliche Verschreibung wird vorgelegt.“

Der zweite Haken: Eine Infektion mit SARS-CoV-2 ist nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Bei einem Selbsttest kann nicht gewährleistet werden, dass der Kunde ein mögliches positives Ergebnis an die entsprechenden Behörden meldet. Eine Ausnahme, die das Robert-Koch-Institut (RKI) hier theoretisch erlassen dürfte, scheint derzeit nicht geplant.


Bußgeld droht

Wer dennoch einen Antikörper-Schnelltests an Endkunden abgibt, handelt ordnungswidrig und kann mit bis zu 30.000 Euro Bußgeld dafür bestraft werden. Falls ihr nun darüber nachdenkt, die Tests, die ihr bereits eingekauft habt, nicht zu verkaufen, sondern die Kunden in der Apotheke zu testen – das ist ebenfalls keine gute Idee. Das Infektionsschutzgesetz sagt dazu in § 24 ganz eindeutig:

 „Die Feststellung oder die Heilbehandlung einer in § 6 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1, 2 und 5 oder in § 34 Absatz 1 Satz 1 genannten Krankheit oder einer Infektion mit einem in § 7 genannten Krankheitserreger oder einer sonstigen sexuell übertragbaren Krankheit darf nur durch einen Arzt erfolgen.“

Viele Kammern haben daher ausdrücklich vor dem Umgang mit den Schnelltests gewarnt, eine bundeseinheitliche Feststellung steht jedoch noch aus.


Test ist ungenau

Der dritte Haken an der Testung ist, dass die reine Detektion von IgM- und IgG-Antikörpern zu ungenau ist. Diese spezifischen Antikörper sind frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in Regelfall sogar erst nach 14 Tagen. Daher kann eine negative Testung nicht ausschließen, dass man zum Testzeitpunkt nicht doch bereits mit SARS-CoV-2 infiziert ist und damit auch infektiös. Außerdem können bereits vorhandene Antikörper gegen andere Coronaviren zu einem falsch-positiven Testergebnis führen.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 04.05.2020.

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