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Apothekenpraxis: Das ändert sich mit der Eilverordnung

in Beruf & HV 282 Kommentare 1.667 Views

Von Eva Bahn

 

Vergangene Woche ist die die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung („Eilverordnung“) in Kraft getreten. Sie umfasst einige wichtige Neuerungen, die die du jetzt umsetzen darfst, um deine Kunden schnell und sicher zu versorgen. Besonders im Bereich der Rabattverträge hat sich Einiges getan. Außerdem wird der Botendienst für Menschen, die nicht selbst in die Apotheke kommen können, nun honoriert. Wir haben die wichtigsten Änderungen für dich zusammengefasst.


Medikament ist nicht vorrätig – was darf auf dem Rezept verändert werden?

Du solltest zuerst nachsehen, ob in der Apotheke ein anderes, wirkstoffgleiches Arzneimittel vorrätig ist. Das darfst du vorrangig abgeben, auch wenn der Hersteller keinen Rabattvertrag mit der jeweiligen Krankenkasse geschlossen hat. Eine Retaxation darf deshalb nicht mehr stattfinden. Wenn du kein wirkstoffgleiches Arzneimittel in der Apotheke vorrätig hast und das abzugebende Arzneimittel auch nicht lieferbar ist, dann darfst du ein lieferbares wirkstoffgleiches Arzneimittel abgeben.

Diese Dinge darfst du ohne Rücksprache mit dem Arzt jetzt ändern:

  • die Packungsgröße, auch mit einer Überschreitung der nach der Packungsgrößenverordnung definierten Messzahl,
  • die Packungsanzahl (beispielsweise statt einer 100er Packung zwei 50er),
  • die Entnahme von Teilmengen aus Fertigarzneimittelpackungen, wenn die abzugebende Packungsgröße nicht lieferbar ist
  • die Wirkstärke, sofern keine pharmazeutischen Bedenken bestehen.

Bis auf den dritten Punkt – die Entnahme von Teilmengen aus einer Fertigarzneimittelpackung – gilt dies nicht für Betäubungsmittel (BtM). Bei der Abgabe von Teilmengen aus einer Arzneimittelpackung können Apotheken bei der ersten Abgabe die üblichen Zuschläge erheben, bei der Abgabe weiterer Teilmengen aus derselben Packung an andere Patienten aber nur den Zuschlag von 5,80 Euro.


Was, wenn weder das verordnete, noch ein wirkstoffgleiches Arzneimittel vorrätig oder lieferbar ist?

Dann darfst du jetzt nach Rücksprache mit dem verordnenden Arzt ein pharmakologisch-therapeutisch vergleichbares Arzneimittel abgeben. Diese Rücksprache und den Grund dafür musst du auf dem Rezept vermerken. Das gilt auch für den Fall, dass der verordnende Arzt den Austausch des Arzneimittels eigentlich mit einem „aut-idem-Kreuz“ ausgeschlossen hat. Der Arzt muss in allen Fällen nichts mehr gegenzeichnen.


Was ändert sich beim Botendienst?

Du darfst jetzt für jeden Botendienst je Lieferort und Tag einen Zusatzbetrag von fünf Euro zuzüglich Umsatzsteuer abrechnen. Das bedeutet, dass du diesen Betrag beispielsweise für Botenlieferungen in ein Pflegeheim aber nur ein einziges Mal am Tag für einen Bewohner abrechen darfst und nicht für alle. Dasselbe gilt für Ehepaare oder Menschen, die in einem Häuserblock wohnen. Daher ist es sinnvoll, alle Botendienst-relevante Rezepte zu sammeln und vor der Abrechnung noch einmal durchzusehen. Ein anderer Vorschlag wäre, die Botenrezepte erst am Abend zu bedrucken, wenn klar ist, was wohin geliefert wurde.

Zusätzlich dazu kann jetzt einmalig ein Betrag zur Förderung von Botendiensten in Höhe von 250,00 Euro zuzüglich Umsatzsteuer zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhoben werden. Dieses Geld soll die Apotheke primär bei der Versorgung des Boten mit Schutzmasken, Handschuhen und Desinfektionsmitteln einsetzen. Wie die Abrechnung dieser Zusatzbeträge von fünf und 250,00 Euro dann stattfinden wird, ist allerdings bisher noch unklar. Eventuell sollten die Botenrezepte bis dahin noch unbedruckt gesammelt und erst dann bedruckt werden, wenn die Sondernummer bekannt gegeben wird.


Was ändert sich bei den BtM?

  • Wenn eine Apotheke dringend ein BtM benötigt, das nicht vorrätig ist und erst bestellt werden müsste oder das sogar nicht lieferbar ist, dann darf eine andere Apotheke ihr mit dem eigenen Bedarf aushelfen. Bisher war das nicht möglich.
  • Außerdem ist es dem Botendienst der Apotheke nun erlaubt, die Substitutionspatienten ausnahmsweise zu Hause mit ihren benötigten Arzneimitteln zu versorgen, wenn eine Sichtvergabe in der Apotheke nicht angemessen gewährleistet werden kann. Das gilt beispielsweise, wenn ihr die Abgabe jetzt nur noch über die Notdienstklappe durchführt.
  • Auch im Bereich der Substitution sind jetzt Notfallverordnungen möglich (eine Verordnung auf einem normalen mit „N“ gekennzeichneten Rezept), wenn das BtM-Formular nachgereicht wird.
  • BtM-Verordnungen dürfen nun auch von einem anderen Arzt als dem, der sie bei der Bundesopiumstelle angefordert hat, benutzt werden. Dies war bisher nur im Vertretungsfall möglich.


Wie lange gilt diese Eilverordnung?

Die SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung gilt so lange, bis die Feststellung einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite aufgehoben ist. Nur der mit fünf Euro vergütete Botendienst tritt spätestens am 30. September 2020 außer Kraft.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 28.04.2020.

Kommentare

282 Kommentare
  • Hilal Özagac
  • Lillith
    Lillith Diese ganzen Rabattvertragssachen sind sowieso überholt und nur den Kassen aber nicht dem Patienten nützlich.
    Wirtschaftlich klar alles etwas größer gefasst. Aber wir sind in durch unsere Ausbildung in der Pharmazie in der Lage die Patienten adäquat...Mehr
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