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Heuschnupfen: Beratungstipps für die Selbstmedikation

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Von Eva Bahn

 

Niesen, Naselaufen, tränende Augen und juckende Haut – der Frühling ist nicht für alle die schönste Zeit des Jahres. Pollenallergiker haben in dieser Zeit ganz besonders zu kämpfen, denn sie leiden jetzt am meisten. So kannst du ihnen in der Apotheke effektiv helfen.


Heuschnupfen: Das passiert im Körper

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf im Grunde harmlose Nahrungsbestandteile, den Kot von Milben oder saisonal abhängig auf Pflanzenpollen, über. Ist ein Mensch auf eine Pollenart sensibilisiert, dann bildet er Immunglobulin E (IgE) und Gedächtniszellen. Das IgE wehrt im Körper eigentlich Endoparasiten wie Würmer ab und ist bei einer Pollenallergie quasi falsch konditioniert. Bemerken die IgE ein Eindringen der als Gefahr erkannten Allergene, werden in der Folge Histamin, Leukotriene und Zytokine ausgeschüttet, die Allergie-Symptome auslösen. Die Gefäße erweitern sich, die Schleimhäute schwellen an und die bekannten Symptome wie Fließschnupfen, Niesattacken, Juckreiz und tränende Augen beginnen sich zu entwickeln.


Was kannst du empfehlen?

Loratadin, Desloratadin, Cetirizin und Levocetirizin gehören zu den H1-Rezeptorantagonisten der zweiten Generation. Das bedeutet, dass sie sich an die H1-Rezeptoren binden und dadurch die Histaminwirkung blockieren. Im Gegensatz zu Dimetinden und Clemastin, die zur ersten Generation gehören, haben sie eine geringere sedierende Wirkung. Trotzdem ist eine Einschränkung des Reaktionsvermögens möglich, was du im Beratungsgespräch erwähnen solltest. Die Einnahme sollte auch aus diesem Grund besser abends erfolgen. Loratadin hat im Gegensatz zu Cetirizin eine weniger sedierende Wirkung.

Auch Azelastin und Levocabastin gehören zu den H1-Rezeptorantagonisten, und sind als Augentropfen und als Nasenspray erhältlich. Sie können mehrfach täglich angewendet werden und helfen in der Regel schon innerhalb von etwa 15 Minuten. Diese Wirkstoffe kannst du zur Monotherapie oder unterstützend zur oralen Therapie empfehlen. Sind vor allem nur die Augen von der Allergie betroffen, ist eine lokale Behandlung mit antiallergischen Augentropfen vorzuziehen.

Die Cromoglicinsäure wird als Mastzellstabilisator bezeichnet, da sie die Freisetzung von Histamin und Leukotrienen aus den Mastzellen hemmt. Im Akutfall hilft sie nicht, daher ist eine Behandlung nur für die Kunden sinnvoll, die wissen auf welche Pollen sie allergisch reagieren. Die Anwendung erfolgt dann beispielsweise zwei Wochen vor Beginn des jeweiligen Pollenflugs.


Cortison-haltige Nasensprays sind Mittel der Wahl

Über viele Jahre hinweg war das Mittel der Wahl entweder die Empfehlung einer oralen Therapie mit den Wirkstoffen Loratadin oder Cetirizin oder die lokale Anwendung von Nasensprays und Augentropfen mit Azelastin, Cromoglicinsäure oder Levocabastin. Seit etwa zwei Jahren hat sich in den Leitlinien jedoch die Empfehlung von Cortison-haltigen Nasensprays mit den Wirkstoffen Fluticasonpropionat, Mometasonfuroat und Beclometasondipropionat durchgesetzt, die inzwischen auch rezeptfrei erhältlich sind. Topische Kortikoide, die intranasal appliziert werden, sind laut Leitlinie das Mittel der ersten Wahl. Beclometasondipropionat-haltige Nasensprays werden bei Erwachsenen zweimal, Mometasonfuroat- und Fluticasonpropionat-haltige Nasensprays einmal täglich angewendet.

Da der Wirkeintritt bis zu 48 Stunden dauern kann, ist es bei starken Beschwerden sinnvoll, es zunächst mit einem abschwellenden- oder einem antiallergischen Nasenspray aus der Klasse der H1-Antihistaminika zu kombinieren. Weise den Kunden darauf hin, dass er die Flasche vor der Anwendung einmal durchschütteln soll, damit sich der Wirkstoff gut verteilt. Gesprüht werden sollte außerdem mit der rechten Hand in das linke Nasenloch und mit der linken Hand in das rechte Nasenloch, damit die Flüssigkeit nicht an der Nasenscheidewand hängen bleibt.


Nicht-medikamentöse Zusatzempfehlungen

Beim Autofahren sollten die Fenster geschlossen und die Lüftung ausgeschaltet bleiben. Abendliche Nasenspülungen mit Salzwasser und auch abendliches Suschen, das Ausziehen der Straßenkleidung direkt nach dem Nachhausekommen und ein intelligentes Lüften sind zusätzliche Tipps, die du deinen Kunden mit auf den Weg geben kannst. Wer auf dem Land wohnt, sollte über Nacht lüften. In der Stadt lebende Allergiker sollten hingegen lieber morgens zwischen 6.00 und 8.00 Uhr lüften, da dann am wenigsten Pollen fliegen.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 23.04.2020.

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