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Neue Hilfstaxe: Weniger Geld für Cannabis-Rezepte

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Von Eva Bahn

 

Die Taxierung von Rezepturarzneimitteln auf Basis von Cannabis richtet sich nach der Art der Verarbeitung beziehungsweise Abgabe. Bis vor Kurzem konnten Apotheken bei Cannabisblüten und -extrakten, die unverändert abgegeben werden, zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen 100 prozentigen Festzuschlag auf den Apothekeneinkaufspreis (AEK) berechnen. Diese und andere Abrechnungen bei Kassenrezepten mit Cannabis sind künftig allerdings nicht mehr möglich, da die neue Hilfstaxe in Kraft getreten ist – zu Ungunsten der Apotheken.


Änderungen nur für Kassenrezepte relevant

Durch die steigenden Kosten für die Versorgung der gesetzlich Versicherten mit Medizinalhanf (getrocknete Blüten, Extrakte und Dronabinol) seit 2017 fordert die Politik ein Einsparvolumen von 25 Millionen Euro. Um dies zu erreichen wurden nun niedrigere, nach Menge gestaffelte prozentuale Aufschläge sowie Festzuschläge verhandelt, die für die Apotheken Einbußen bedeuten – zumindest im Bereich der GKV-Versicherten. Die bislang geltenden Regelungen der Arzneimittelpreisverordnung bleiben für Selbstzahler und Privatversicherte weiterhin unverändert.

Das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) verlangte, dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sich über Preissenkungen bei der Verordnung von Cannabisprodukten einigen. Diese Einigung erfolgte kürzlich, tritt aber rückwirkend zum 01. März 2020 in Kraft. Bereits abgerechnete Rezepte könnten daher möglicherweise gegebenenfalls retaxiert werden.


So wird jetzt abgerechnet

Die neuen Preise finden sich in der neu geschaffenen „Anlage 10“ der Hilfstaxe. Bis diese über die Taxprogramme der Software abgerufen werden können, stellt der DAV den Landesapothekerverbänden vorläufig eine Excel-Tabelle zur Verfügung, mittels der den Apotheken die Berechnung der Arbeitspreise für Medizinalhanf-Zubereitungen zunächst ermöglicht werden soll.

Bei Cannabisblüten in unverändertem Zustand werden für die ersten 15 Gramm zusätzlich zu einem einheitlichen Festpreis von 9,52 Euro pro Gramm noch einmal ein Fixzuschlag von 9,52 Euro pro Gramm berechnet. Der Festpreis ist fix und unabhängig vom tatsächlichen Einkaufspreis. Bei 15 bis 30 Gramm kommt noch ein Zuschlag von 3,70 Euro dazu. Für jedes Gramm mehr beträgt der Zuschlag 2,60 Euro. Hinzukommen noch der Preis für das Abgabegefäß und 19 Prozent Umsatzsteuer.

Für Cannabisblüten in Zubereitungen gilt der gleiche Festpreis von 9,52 Euro. Dagegen liegt der Fixzuschlag bis zu den ersten 15 Gramm nur noch bei 8,56 Euro. Die weiteren Fixzuschläge liegen wie bei der Abgabe in unverändertem Zustand bei 3,70 Euro von 15 bis 30 Gramm und bei 2,60 Euro für jedes weitere Gramm. Auch Cannabisextrakte, die im veränderten und unveränderten Zustand abgegeben werden, werden nun anders abgerechnet. Aktuelle Abrechnungsbeispiele für Rezepturarzneimittel auf Basis von Cannabis findest du hier. (Hinweis: Die in den Beispielen zugrunde gelegten Preise für Verpackungen, Hilfsstoffe und die Apothekeneinkaufspreise sind fiktiv.)

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 16.04.2020.

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