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„Für die Helden des Alltags“: Klosterfrau verschickt die ersten 200.000 Desinfektionsmittelflaschen

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Ein Klosterfrau-Mitarbeiter hält eine Desinfektionsmittelflasche mit der Aufschrift „Für die Helden des Alltags“ in der Hand. Am Produktionsstandort in Berlin werden 500.000 solcher Flaschen hergestellt. (Foto: Klosterfrau)

Von Deniz Cicek-Görkem


Um einen gesellschaftlichen Beitrag in der Corona-Krise zu leisten, hatte der Pharmahersteller Klosterfrau kürzlich angekündigt, 500.000 Flaschen Händedesinfektionsmittel an das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) zu spenden. Nun ist das Unternehmen so weit, dass es den ersten Teil bereits nach Ostern ausliefern kann. Im Gespräch mit AMIRA-Welt gab Klosterfrau-CEO
Hans-Helmut Fabry einen Einblick in die Arbeitsprozesse der Firma in diesen außergewöhnlichen Zeiten.


Eine halbe Million Flaschen an Desinfektionsmitteln − wie stellt ein Pharmaunternehmen eine so hohe Menge innerhalb einer kurzen Zeitspanne her, wo doch viele Betriebe derzeit auf Sparflamme brennen? Diese Frage ist umso bedeutender, wenn man sich vor Augen führt, welche Schritte das Unternehmen berücksichtigen muss, bevor überhaupt die erste Flasche mit Desinfektionsmittel  abgefüllt ist. Doch dazu später mehr.


Produktion im Zweischichtbetrieb

Klosterfrau teilt uns mit, dass die Produktion der Händedesinfektionsmittel vor wenigen Tagen im Zweischichtbetrieb angelaufen sei. Insgesamt würden in Berlin 500.000 Kunststoffflaschen mit je 200 ml Inhalt hergestellt, die das Unternehmen „der Landesregierung NRW kostenlos zur Aufrechterhaltung wichtiger öffentlicher Funktionen und zum Schutz der dort tätigen Mitarbeiter zur Verfügung“ stellen möchte. Die ersten 200.000 Flaschen würden nach Ostern verschickt. „Die weiteren 300.000 Flaschen werden wir in Abhängigkeit der Verfügbarkeit von Packmitteln so schnell wie möglich danach ausliefern“, versichert Fabry.



Klosterfrau-CEO Hans-Helmut Fabry (Foto: Klosterfrau)

Doch welches Desinfektionsmittel wird überhaupt produziert? Es gibt verschiedene Rezepturen und damit verschiedene Möglichkeiten. Als desinfizierende Substanzen werden gewöhnlich Ethanol oder Isopropanol in einer bestimmten Konzentration eingesetzt. Klosterfrau benutze bei der aktuellen Produktion eine Standardformulierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), verrät der Klosterfrau-CEO. „Die Inhaltsstoffe sind Ethanol 80 % (V/V), gereinigtes Wasser, Glycerol und H2O2.“


Arbeitsprozesse in der Apotheke und der Pharmaindustrie: Unterschied wie Tag und Nacht

Auch wenn es sich dabei um bekannte Bestandteile handelt, dürfte ein von einem Pharmaunternehmen hergestelltes Desinfektionsmittel in Bezug auf die Prozesse nicht mit jener der Apotheke zu vergleichen sein. Denn während Produktionsprozesse in Apotheken kurzfristig und mit überschaubaren bürokratischen Hürden geändert werden können, ist die Situation in der Pharmaindustrie komplizierter. Dort muss der neue Prozess zunächst mit den dazugehörigen Parametern definiert und unter anderem die Produktionsanlage für die neue Produktion gereinigt werden.

Auch dieser Reinigungsschritt wird validiert, um sicherzustellen, dass keine Verunreinigung von der zuvor produzierten Ware im neuen Produkt landet. Nicht vergessen werden dabei darf, dass all diese Schritte dokumentiert werden müssen. Eine Änderung des Prozesses kann zum Beispiel auch die Verwendung einer anderen Flaschengröße oder -art (etwa Kunststoff- statt Glasflaschen) sein.Von einer Prozessänderung bis zur praktischen Umsetzbarkeit können so mehrere Wochen, sogar Monate vergehen. Klosterfrau gibt an, „in nur drei Wochen“ alle nötigen Vorbereitungen getroffen zu haben, um eine der Produktionsanlagen in Berlin auf die Herstellung von Händedesinfektionsmitteln in 200 ml-Flaschen umzustellen.

Ob auch die mehr als 4.000 Apotheken in NRW und damit die meisten im Bundesgebiet in den Genuss des derzeit raren Gutes kommen werden? Die Nachfrage dürfte im bevölkerungsreichten Bundesland definitiv vorhanden sein. Die Apotheken könnten, neben den 522 Kliniken im Land, einen Teil der produzierten Flaschen gut gebrauchen. Fabry zufolge habe die Landesregierung den Überblick über die aktuelle Situation und könne flexibel darüber entscheiden, wohin und an wen die verfügbaren Produkte geliefert werden.


„Gesundheitsmarkt in den letzten Wochen über alle Segmente hinweg gewachsen“

Doch seit Beginn der Corona-Pandemie werden in den Apotheken nicht nur Desinfektionsmittel und Masken, sondern insbesondere auch Mittel zur Unterstützung des Immunsystems nachgefragt. Man wolle „gewappnet gegen das Virus“ sein, wie Apothekenkunden immer wieder berichten. Auch bei Klosterfrau sei eine Dynamik zu spüren: „Der Gesundheitsmarkt ist in den letzten Wochen über alle Segmente hinweg gewachsen“, betont Fabry. „Eine für die Saison atypisch hohe Nachfrage haben wir besonders bei Mineralstoffen, Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln.“ Aber auch die Erkältungsmarken Soledum, neo-angin, nasic, Contramutan N, Bronchicum, Monapax und Laryngomedin N seien sehr beliebt.

Trotz der hohen Nachfrage und der Corona-bedingten Änderungen im Unternehmen seien sowohl die Auslieferung an Kunden in allen Märkten, aber auch die Versorgung mit Hygieneartikeln, Rohstoffen und Packmitteln sichergestellt. „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Anwesenheit nicht zwingend zur Aufrechterhaltung der Produktion, der Logistik und der Administration notwendig ist, befinden sich im Mobile-Office“, erklärt der CEO. „Unsere Kollegen in der Lieferkette sorgen für eine ununterbrochene Fertigwarenversorgung.“

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 11.04.2020.

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