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Pneumokokken-Impfstoffe: Import aus Japan sichert Versorgung

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Von AMIRA-Redaktion

 

Neben vielen anderen Arzneimitteln und Impfstoffen sind auch Pneumokokken-Impfstoffe schwer zu bekommen. Bestimmte Patienten sollen auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) allerdings mit der Impfung immunisiert werden. Wie soll das geschehen, wenn kein Impfstoff mehr auf dem Markt erhältlich ist?


Erhöhte Nachfrage wegen Corona-Pandemie

Pneumokokken (Strepococcus pneumoniae) sind grampositive Bakterien, die unter anderem zu Lungenentzündungen und Blutvergiftungen führen können. Sie werden durch eine Schmier- oder Tröpfcheninfektion übertragen. Bereits vor der Corona-Pandemie hatte die STIKO die Impfung für besonders gefährdete Personengruppen empfohlen. Diese sind Kinder in den ersten beiden Lebensjahren und ältere Menschen, Personen die an chronischen Krankheiten der Lunge oder des Herzens, an einem behandlungsbedürftigen Diabetes oder an bestimmten neurologischen Krankheiten leiden, Patienten mit einer Immundefizienz oder einer immunsuppressiven Therapie und Personen mit einem Cochlea-Implantat oder einer Liquorfistel.

Die aktuelle Situation rund um SARS-CoV-2 hat zu einer erhöhten Nachfrage an Pneumokokken-Impfstoffen geführt, sodass es zu einem Lieferengpass für Pneumovax 23 gekommen ist. Prevenar 13 ist derzeit auch nur begrenzt verfügbar.


Ausnahmeermächtigung nach Arzneimittelgesetz

Im Falle eines Versorgungsmangels der Bevölkerung mit Arzneimitteln kann das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im Einzelfall gestatten, dass Medikamente und Impfstoffe, die nicht zum Verkehr zugelassen oder registriert sind, befristet in Deutschland in den Verkehr zu bringen. Das lässt § 79 („Ausnahmeermächtigung für Krisenzeiten“) des Arzneimittelgesetzes (AMG) zu.

Im aktuellen Fall wurde dies genutzt, um kurzfristig zwei Chargen Pneumovax 23 aus Japan auf den deutschen Markt zu bringen. Sie wurden über die Pharmazeutischen Großhändler in ganz Deutschland verteilt und sind seit vergangenem Freitag unter der PZN 16653218 erhältlich, die allerdings erst zum 01.05.2020 gelistet wird. Wenn du den Impfstoff für deine Apotheke bestellen möchtest, musst du ihn deshalb bis dahin telefonisch, per Fax oder E-Mail beim Großhandel in Auftrag geben.


Impfstoffe aus Japan ohne deutsche Packungsbeilage

Eine deutsche Packungsbeilage oder eine Securpharm-Kennung haben die Impfstoffe nicht. Außerdem ist der Impfstoff nur in einer Durchstechflasche und nicht in einer Fertigspritze abgefüllt. Um sicherzugehen, dass du keine gefälschte Ware erhalten hast, kannst du dir auf der Homepage des Paul Ehrlich Instituts (PEI) die Aufmachung ansehen. Dort findest du auch Gebrauchs- und Fachinformationen zum Herunterladen.

Wichtig ist außerdem zu wissen, dass die Haltbarkeit der eingeführten Pneumovax 23 Chargen aus Japan nur sehr kurz ist. Die Charge R033352 ist bis zum 11.06.2020, die Charge R033353 bis zum 13.06.2020 verwendbar.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 06.04.2020.

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