Amira® Magazin  » Artikel durchsuchen  » Unterstützung für Apotheken: Mehr als warme Worte

Unterstützung für Apotheken: Mehr als warme Worte

in Beruf & HV 299 Kommentare 1.785 Views

Von AMIRA-Redaktion

 

Dass während der herausfordernden Zeit der Corona-Krise den Apotheken eine besonders wichtige Aufgabe bei der Versorgung der Bevölkerung zukommt, ist auch bei der Politik angekommen. Inzwischen dankt das Bundesgesundheitministerium Apothekern und PTA auf der offiziellen Facebookseite. Auch in Pressekonferenzen sowie Medien werden Apothekenmitarbeiter vermehrt positiv erwähnt. Doch es bleibt nicht nur bei warmen Worten.


Zwei Euro für den Botendienst

Nachdem die Krankenkassen während dieser Zeit die Regelungen der Rabattverträge gelockert haben, hat nun auch die erste Kasse damit angefangen, Botengänge zu vergüten. Bei Versicherten der AOK Baden-Württemberg und der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau dürfen nun zwei Euro plus Umsatzsteuer mit dem hierzu geschaffenen Sonderkennzeichen 06461096 auf das Rezept gedruckt und abgerechnet werden. Die Software kann dies bei der Abrechnung derzeit noch nicht umsetzen, daher ist vorerst eine handschriftliche Ergänzung nötig.


Praxis können Rezepte direkt in die gewünschte Apotheke des Patienten schicken

Doch nicht nur im Südwesten des Landes gibt es Erleichterungen. Auch in Schleswig- Holstein, in Hamburg und im Saarland können Patienten nun bei ihrem Hausarzt anrufen und darum bitten, dass ihre Rezepte direkt an die gewünschte Apotheke vermittelt werden. Dies kann zunächst per Mail oder Fax geschehen, die Ärzte werden jedoch gemäß § 4 Abs. 1 Satz 3 AMVV dazu verpflichtet, die Originalrezepte an die Apotheken nachzureichen. So sollen die persönlichen Kontakte zwischen den besonders gefährdeten Berufsgruppen und den Risikopatienten minimiert werden. Die Patienten können in den meisten Fällen auf einen Botendienst der Apotheken zurückgreifen, um das Haus nicht verlassen zu müssen. Das gilt übrigens auch dann, wenn ein neues Quartal beginnt. Da die Patienten dem Hausarzt bekannt sind, müssen diese Patienten keine Gesundheitskarte vorlegen, wenn der Kontakt ausschließlich telefonisch erfolgt.


Gut zu wissen: Ärzte bekommen Portokosten für Rezepte erstattet

Zwischen Apothekern und Ärzten kommt es nicht selten zu Missstimmungen, wenn es um das Thema Portokosten für Rezepte geht. Auch während der Corona-Pandemie wurden Fälle bekannt, bei denen Ärzte frankierte Briefumschläge von Apothekern erwarteten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) teilte dazu auf ihrer Internetseite mit: „Aufgrund des steigenden Bedarfs für nicht persönliche Arzt-Patienten-Kontakte im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie hat der Bewertungsausschuss festgelegt, dass den Ärzten die Portokosten für den Versand mit 90 Cent erstattet werden. Die Abrechnung erfolgt über die Gebührenordnungsposition 40122.“ Sollte der Arzt die Rezepte normalerweise nur gegen die Übernahme der Portokosten an den Patienten oder die benannte Apotheke verschicken wollen, kannst du ihn auf diese Regelung hinweisen.


Gesellschaftliche Anerkennung nimmt zu

Auf der anderen Seite ist der Alltag auch geprägt von leeren Regalen im Supermarkt durch Hamsterkäufer. Damit systemrelevante Mitarbeiter von Apotheken, Arztpraxen etc. weiterhin an Nahrungs- und Hygieneartikel kommen, gibt es in eine REWE-Filiale im Berliner Norden seit vergangener Woche exklusive Öffnungszeiten für solche Menschen. Inzwischen sind auch viele Restaurants dazu übergegangen, Personen in systemrelevanten Berufen als Geste der Wertschätzung Vergünstigungen oder sogar kostenfreie Gerichte anzubieten.


Gefahrenzulage für Apothekenmitarbeiter?

„Von einem Danke kann ich mir nichts kaufen und nicht meine Miete bezahlen“, heißt es häufig auf Social Media von systemrelevanten Berufsgruppen. Auch Apotheker, PTA und PKA teilen dieses Statement, das als ein Appell an Entscheidungsträger zu verstehen ist. Apothekenmitarbeiter setzen sich, wie einige weitere Berufsgruppen auch, während ihrer beruflichen Tätigkeit dem Risiko aus, sich an SARS-CoV-2 zu infizieren. Einzelne Supermarkthändler haben dies berücksichtigt und bereits Sonderzahlungen für die Mitarbeiter angekündigt, die während der Corona-Krise in erschwerten Bedingungen arbeiten. Auch unter Apothekenmitarbeitern wird vermehrt eine Forderung nach einer (steuerfreien) Gefahrenzulage oder Prämie laut.


Haben Betroffene einen Rechtsanspruch darauf? „Eine gesetzliche Regelung für eine erhöhte Vergütung gibt es nicht, aber verschiedene Betriebe […] wollen ihren Angestellten eine besondere Zulage zukommen lassen“, heißt es auf der Website der Bundesregierung. Doch für Apothekenmitarbeiter dürfte es einen Funken Hoffnung geben: „Die Apothekengewerkschaft wird sich mit den Arbeitgebervertretern im Apothekenbereich über Möglichkeiten beraten, wie die Angestellten für ihre Arbeit in der Corona-Epidemie auch finanziell zusätzlich honoriert werden können. Allerdings ist dies unter den augenblicklichen wirtschaftlichen Bedingungen der Apotheken ein Kraftakt und macht künftige Systemverbesserungen zwingend nötig“, schreibt die ADEXA in ihrem offenen Brief an die Politik und die Bevölkerung. 

Wenn eine Einigung erreicht wird, könnten dann Apothekenmitarbeiter, deren Arbeitgeber an den Tarifvertrag gebunden sind und/oder bei denen die Geltung des Tarifvertrages im Arbeitsvertrag schriftlich festgehalten worden ist, einen Bonus erhalten.

 

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 01.04.2020.

Kommentare

299 Kommentare