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Gegen Hamsterkäufe: Großhändler kontingentieren Arzneimittel

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Von Eva Bahn

 

Vermutlich dürften einige Großhandelsrechnungen, die du in der nächsten Zeit zu Gesicht bekommst, etwa so aussehen, wie die auf dem Bild. Doch warum ist das so? Kürzlich hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine „Allgemeine Anordnung“ an die pharmazeutischen Unternehmer und die pharmazeutischen Großhändler zur Lagerhaltung und bedarfsgerechten Belieferung von Humanarzneimitteln erlassen. Das klingt kompliziert, bedeutet aber faktisch eine Kontingentierung von bestimmten Arzneimitteln.


Hamsterkäufe von Apotheken sollen vermieden werden

Zur Verbesserung der Arzneimittelversorgung in Deutschland werden die pharmazeutischen Unternehmer und der Pharmazeutische Großhandel in der Anordnung aufgefordert, Arzneimittel nicht über den normalen Bedarf hinaus zu beliefern. Hintergrund für die Anordnung ist, dass die Behörde in den letzten Tagen und Wochen „verstärkt eine übermäßige Bevorratung bei einzelnen Marktteilnehmern mit Arzneimitteln […], die in direkter Folge zu einer Ungleichverteilung führt“ beobachtete.

Mit anderen Worten besteht die Angst, dass die Hamsterkäufe, die einige Apotheken aus der Angst heraus tätigen, dass es bei bestimmten Medikamenten zu Lieferengpässen kommen könnte, erst recht zu Problemen bei der flächendeckenden Versorgung führen. Zudem befürchtet das BfArM während der weltweiten Corona‐Pandemie eine Einschränkung der Arzneimittelversorgung in Deutschland aufgrund weiterer Produktions‐ oder Transportunterbrechungen.


An die genannten Bevorratungszeiträume müssen sich nun alle Marktteilnehmer halten.

Diese sind folgende:

  • Für öffentliche Apotheken ist die ordnungsgemäße Versorgung zur gesetzlichen Mindestbevorratung von einer Woche Die Belieferung mit Arzneimitteln erfolgt dabei auf der Basis der Abgabemengen des Vorjahres. In begründeten Fällen kann der pharmazeutische Großhändler auch von den Abgabemengen des Vorjahres abweichen, sofern dies zur Sicherstellung der gesetzlichen Mindestbevorratung der Apotheke erfolgt und nicht der Überbevorratung dient.
  • Für Krankenhausapotheken und krankenhausversorgende Apotheken soll bei Arzneimitteln, die im Zusammenhang mit der Corona‐Pandemie angewendet werden, die Bevorratung den durchschnittlichen Bedarf von acht Wochen nicht überschreiten. Für alle anderen Arzneimittel soll die Bevorratung den durchschnittlichen Bedarf von vier Wochen nicht überschreiten. 
  • Für den Pharmazeutischen Großhandel gilt, dass die ordnungsgemäße Versorgung zur gesetzlichen Mindestbevorratung von zwei Wochen sicherzustellen ist. Auch hier soll die Belieferung mit Arzneimitteln auf der Basis der Liefermengen des Vorjahres erfolgen. In begründeten Fällen kann die Belieferung des pharmazeutischen Großhandels auch von den Abgabemengen des Vorjahres abweichen, sofern dies zur Sicherstellung der gesetzlichen Mindestbevorratung des pharmazeutischen Großhandels, und nicht der Überbevorratung dient.


Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 25.03.2020.

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