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Cannabis-Rezept: Darauf musst du achten

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Von Eva Bahn


Seit dem 10.03.2017 darf Cannabis auf einem Betäubungsmittel (BtM)-Rezept zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden. Formfehler können auch auf diesen Verordnungen vorkommen. Um das Risiko einer Retaxation zu verringern, ist wichtig, die Anforderungen an ein solches Rezept genau zu kennen. Zum dritten Geburtstag der Gesetzesänderung haben wir die wichtigsten Punkte für euch zusammengefasst!

Gültigkeit

Wie bei allen anderen BtM-Rezepten gilt auch beim Cannabis-Rezept, dass es innerhalb von acht Tagen (sieben Tage + Ausstellungsdatum) in der Apotheke vorgelegt werden muss. Kommt der Kunde beispielweise am 10. April mit einem Rezept vom 3. April, so darfst du es beliefern. Kommt er am 11. April, würde die Verordnung ungültig sein. Wenn die Belieferung, beispielsweise aufgrund eingeschränkter Beschaffungsmaßnahmen durch Lieferengpässe, länger dauert, ist das rechtlich gesehen unproblematisch. Auf dem Rezept musst du nur vermerken, an welchem Tag es in der Apotheke vorgelegt wurde. Hier ist es sinnvoll, alle Belege zur Bestellung und Belieferung für eine mögliche spätere Prüfung aufzubewahren.

Höchstmengen

Laut Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) darf der Arzt maximal 100.000 mg (100 g) Cannabisblüten für einen Patienten innerhalb eines 30 Tages-Zeitraumes verschreiben. Bei Cannabisextrakten beträgt diese Menge bezogen auf den ∆9-Tetrahydrocannabinol (THC)-Gehalt 1000 mg. Verschreibt er auf einem Rezept mehr als die genannten Mengen oder kommt der Patient innerhalb der 30 Tage mit einem Folgerezept mit dem diese Grenze überschritten wird, so muss das Rezept mit einem „A“ gekennzeichnet werden. Fehlt dieses, so darf es nach Rücksprache mit dem Arzt auf dem Teil I und II ergänzt werden. Wichtig ist, dass auch der Arzt auf dem Rezeptteil III diese Ergänzung vornimmt!

Arzneimittelbezeichnung

Der Blütensorte kommt eine besondere Bedeutung zu, denn sie unterscheiden sich deutlich in ihrem Gehalt an THC oder Cannabidiol (CBD). Daher muss sie zwingend auf dem Rezept vermerkt werden, sonst ist die Verordnung nicht eindeutig. Die Sorte darf aus diesem Grund auch nicht einfach ausgetauscht werden. Auch bei den Extrakten muss der Gehalt an diesen beiden Cannabinoiden zwingend auf die Verordnung.

Dosieranleitung

Bei Blüten muss auf dem Rezept die Einzel- und Tagesgaben sowie die Gesamtmenge genannt werden, wenn die Apotheke die Blüten zerkleinern und vorportionieren soll. Bei der unverarbeiteten Abgabe erhält der Patient vom Arzt eine Einnahmeanweisung. Dann genügt auf dem Cannabis-Rezept der Vermerk: „Dosierung gemäß schriftlicher Anweisung“ – diese muss der Apotheke aber bekannt sein, sonst handelt es sich um eine unklare Verordnung, die du nicht beliefern darfst. Diese Gebrauchsanweisung musst du außerdem auf der Primärverpackung vermerken.

Die Anwendung wird in den meisten Fällen entweder als Tee oder zur Inhalation mittels Verdampfer durch den Arzt empfohlen. In der Apotheke können die Portionen gemahlen und gesiebt vorportioniert werden, damit der Patient seine Einzelportion nicht selbst auswiegen muss. Ein Tee enthält als Einzelgabe 0,5 g Droge auf einen halben Liter Wasser. Dieser Ansatz muss 15 Minuten lang abgedeckt gekocht werden. Als Richtwert bei der Inhalation gelten 100 mg Cannabisblüten. Die Einstellung auf den individuell passenden Wert erfolgt jedoch einschleichend.

Die Anforderungen an die Dosieranleitung gelten analog auch für Cannabisextrakte.

Kostenerstattung: Genehmigung der Krankenkasse

Bei einer Erstverordnung muss der Arzt eine Genehmigung bei der Krankenkasse des Patienten einholen. Für Apotheken besteht diesbezüglich keine Prüfpflicht.

Taxierung

Die Berechnung richtet sich nach der Art der Verarbeitung beziehungsweise Abgabe:

  • Werden die Blüten verarbeitet (z.B. als NRF-Rezeptur), so kommt der §5 AMPreisV zum Tragen. Hier kommt zum Apothekeneinkaufspreis (AEP, auch AEK) der Blüten noch der AEK der Verpackung und darauf der 90 prozentige Festzuschlag. Dann wird der Rezepturzuschlag und der 8,35 Euro Fixzuschlag dazu addiert und auf alles die 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnet. Die Sonder-PZN für zubereitete Cannabisblüten sind die 06460665 und die 02567001 für die BTM- Gebühr.
  • Gibst du die Blüten unverarbeitet ab, dann erfolgt die Berechnung nach §4 Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV). Das bedeutet, dass auf den AEK der Blüten und der Verpackung ein 100 prozentiger Festzuschlag berechnet wird und darauf noch die 19 Prozent Mehrwertsteuer kommen. Die zugehörigen PZN sind die 06460694 für unverarbeitete Cannabisblüten und die 02567001 für die BtM-Gebühr.
  • Auch Rezepturen aus Stoffen, die Cannabinoide enthalten können vorkommen. Dazu gehören beispielsweise die NRF Rezepturen 22.7 (Dronabinol-Kapseln 2,5 mg / 5 mg / 10 mg) und 22.8 (Ölige Dronabinol-Tropfen 25 mg/ml) oder Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln. Sie werden mit der PZN 06460748 und der 02567001 berechnet.
  • Die Sonderpharmazentralnummer 06460671 gilt mit der BtM- Gebühr für cannabishaltige Fertigarzneimittel ohne Pharmazentralnummer. Dazu zählen vor allem die Importe nach § 73 Abs. 3 des Arzneimittelgesetzes (AMG).
  • Wenn du Cannabinoid-haltige Stoffe vor der Abgabe an den Kunden nur um- oder abfüllst und neu kennzeichnest, dann musst du die Ziffer 6460754 mit der BtM-Gebühr zusammen verrechnen.
  • Cannabinoid-haltige Fertigarzneimittel wie Sativex Spray oder Canemes Kapseln werden ganz regulär über ihre zugeordneten Pharmazentralnummern plus BtM-Gebühr berechnet.

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