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Können statt Quote: Gedanken zum Weltfrauentag

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von Deniz Cicek-Görkem

Über Jahrhunderte hinweg waren Frauen im öffentlichen Leben Europas nahezu vollkommen unsichtbar. Mädchen wurden von Anfang an nicht so behandelt wie Jungen, gingen gar nicht oder selten zur Schule, geschweige denn, dass sie sie beendeten, wurden im Haushalt eingesetzt und waren für ihre Geschwister oder eigenen Kinder zuständig. Erst weit nach der Französischen Revolution begann sich das Frauenbild zu ändern. Die Schlagwörter Freiheit, Gleichheit und vor allem Brüderlichkeit implizierten bereits 1789, dass der Kampf gegen die Herrschaft des Adels und des Klerus eher Männersache war. Der Kampf um die Rechte der Frauen setzte erst im 19. und dann noch einmal verstärkt im 20. Jahrhundert ein.

Dabei waren es vor allem Frauen, die für ihr Geschlecht kämpften. Missstände gab es vor allem in Bezug auf Erwerbsarbeit, Bildung sowie aktives und passives politisches Handeln. Die ersten Frauenrechtlerinnen forderten zudem eine Gesellschaft auf einer neuen sittlichen Grundlage. In Deutschland taten sich in den Jahren um 1900 dabei vor allem Clara Zetkin und Käte Duncker hervor, auf deren Bemühen auch der am 8. März gefeierte Internationale Frauentag zurückgeht, der 2011 auf sein 100-jähriges Bestehen zurückblicken konnte.

Was hat sich seitdem getan?

Tatsächlich tauchen immer mehr Frauen auf der Bühne der Weltgeschichte auf, die in der Antike und im Mittelalter vor allem von und durch Männer geschrieben wurde. In Deutschland hat Angela Merkel eine Ära geprägt, sie wird weltweit geachtet und geschätzt. Auch in Belgien, Dänemark und Finnland gibt es seit dem letzten Jahr eine Ministerpräsidentin.

Mindestens genauso wichtig ist der Impuls, der durch Frauen in der Wissenschaft ausgeht. Ada Lovelace (1815-1852) etwa gilt einigen Historikern zufolge als Begründerin der Computer-Programmiersprache. Seit 2009 wird jährlich im Oktober der Ada Lovelace Day ausgerufen, an dem Frauen und ihre Werke in Wissenschaft, Technik, Ingenieurswissenschaften und Mathematik gewürdigt werden. Denn es gibt unzählige Frauen, deren Leben und Wirken verborgen bleiben, erst nach ihrem Tod oder zum Ende ihres Lebens erzählt werden. Letzteres war jüngst bei Katherine Johnson der Fall. Für ihre Leistungen als Pionierin der Raumfahrt wurde die Afroamerikanerin von Präsident Barack Obama 2015 mit der Presidential Medal of Freedom, einem der beiden höchsten zivilen Auszeichnungen der USA, geehrt. Ohne sie wäre der erste bemannte Flug zum Mond wohl nicht möglich gewesen. Am 24. Februar dieses Jahres verstarb sie im Alter von 101 Jahren.

Aciclovir wurde von einer Frau entwickelt

Auch im Bereich der Arzneimittelforschung sind die Verdienste von Wissenschaftlerinnen nicht von der Hand zu weisen. So ist etwa die Entwicklung von Aciclovir auf die Biochemikerin Gertrude Belle Elion zurückzuführen. Ohne das Virustatikum stünde heute die Therapie des Herpes-simplex-1 eine bedeutende Option weniger zur Verfügung. Zusammen mit weiteren Kollegen wurde Elion 1988 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. Eine weitere Wissenschaftlerin, die ebenfalls den Nobelpreis verliehen bekam, ist die chinesische Pharmazeutin Youyou Tu. Als sie im Alter von 16 Jahren an Tuberkulose litt, musste sie das Pharmaziestudium für zwei Jahre ruhen lassen. Das brachte sie dazu, sich für eine Karriere in der medizinischen Forschung zu entscheiden. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Sie konnte den zur Behandlung der Malaria eingesetzten sekundären Pflanzenstoff Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß isolieren und gab auf diese Weise vielen Malaria-Patienten neue Hoffnung.

Dass Jahr für Jahr am 8. März und darüber hinaus darauf hingewiesen werden muss, dass Frauen besser behandelt und bezahlt werden müssen, beweist, dass es nach wie vor großen Nachholbedarf gibt. Frauen verdienen dieselbe Anerkennung für ihre Leistungen wie Männer, ob an Universitäten, in der Apotheke oder der Politik. Männer sollten sie dabei an vorderster Front tatkräftig unterstützen.


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„Wenn du etwas gesagt haben willst, frage einen Mann; wenn du etwas erledigt haben willst, frage eine Frau.“ (Margaret Thatcher; Politikerin und ehemalige Premierministerin des Vereinigten Königreichs)

Dieser Artikel wurde veröffentlicht am 08.03.2020.

 

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