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Indien stoppt Wirkstoffexport – Lieferengpässe durch Coronavirus?

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Von Eva Bahn

 

Das Thema Lieferengpässe begleitet uns in der Apotheke schon einige Monate lang. Wie abhängig wir dabei von der Produktion im Ausland geworden sind, ist uns nicht erst seit den gefundenen Verunreinigungen in verschiedenen Sartanen klar geworden. Was erwartet uns nun im Zusammenhang mit der Corona-Krise?

Viele Wirkstoffe betroffen

Deutschland bezieht bekannterweise viele Wirkstoffe direkt aus China. Allerdings importieren wir auch aus Indien einige Ausgangsstoffe für die Herstellung von Arzneimitteln. Indien wiederum ist direkt abhängig von der chinesischen Produktion, die gerade teilweise zum Erliegen gekommen ist. Um die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Arzneimitteln sicherzustellen, hat Indien nun die Ausfuhr von mehreren Wirkstoffen ins Ausland gedrosselt. Davon betroffen sind:

  • Aciclovir
  • Chloramphenicol 
  • Clindamycin
  • Erythromycin
  • Metronidazol
  • Neomycin
  • Ornidazol
  • Paracetamol
  • Progesteron
  • Tinidazol
  • Vitamin B1 (Thiamin)
  • Vitamin B6 (Pyridoxin)
  • Vitamin B12 (Cobalamin)

Für die Versorgung von Deutschland sieht das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kurzfristig keine Probleme. Viele Apothekenleiter sehen das jedoch anders und versuchen jetzt schon sich darauf vorzubereiten – denn langfristige Prognosen zur Entwicklung gibt es noch nicht. Um ihre Kunden so lange wie möglich sicher versorgen zu können, fangen viele an ihre Lager aufzustocken, damit die Situation sich in den nächsten Wochen nicht zu dramatisch zuspitzt, bis die Produktion in China wieder Fahrt aufnimmt.

USA meldet Lieferengpass wegen Coronavirus Covid-19

Aus den USA wird jetzt schon vermeldet, dass es jetzt schon zu einem Corona bedingten Lieferengpass gekommen sei. Welches Medikament betroffen ist, wurde jedoch nicht bekannt gegeben. In der am stärksten von den Lieferausfällen betroffenen Region Chinas, Hubei, werden insgesamt 153 Arzneimittel hergestellt. Davon enthalten 64 der 153 Arzneimittel einen der elf als versorgungsrelevant eingestuften Wirkstoff. Unter anderem wird auch Ibuprofen dort produziert.

Indien ließ vermelden, dass die Versorgung mit Arzneimitteln für zwei bis drei Monate über die eigenen Vorräte sichergestellt sei. In dieser Situation dürfte Europa mehr denn je die Abhängigkeit von Staaten wie Indien und China merken, denn hier gibt es zudem kein einziges Werk mehr, das Antibiotika herstellt.

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