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Allergie-Beratung: Desloratadin in der Selbstmedikation

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Von Eva Bahn


Die ersten Pollen fliegen bereits, für Allergiker beginnt damit die Zeit des Schnupfens und Juckens. Zur systemischen Anwendung in der Selbstmedikation kommen derzeit Tabletten mit Cetirizin, Levocetirizin und Loratatadin infrage, doch bald kannst du auch einen weiteren Wirkstoff in der Empfehlung berücksichtigen. Denn kürzlich wurde der H1-Rezeptor-Antagonist Desloratadin aus der Verschreibungspflicht entlassen. Im März sollen die ersten OTC-Präparate mit 5 mg Wirkstoff pro Tablette über den Großhandel zu beziehen sein. Das solltest du zu Desloratadin wissen.

Gesetzesänderung

Die Neunzehnte Verordnung über die Änderung der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) wurde kürzlich im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und ist in Kraft getreten. Damit kann Desloratadin ab sofort in der oralen Anwendung zur symptomatischen Behandlung bei allergischer Rhinitis und Urtikaria bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab zwei Jahren eingesetzt werden. „Es sei denn, es handelt sich um die von der Europäischen Kommission als verschreibungspflichtig zugelassene Arzneimittel.“ Im Rahmen der Selbstmedikation kannst du daher auch Desloratadin für die Behandlung der allergischen Rhinitis empfehlen, sobald die Präparate verfügbar sind.

Wirkung und Dosierung

Desloratadin ist der pharmakologisch aktive Metabolit von Loratadin und wird über die Leber verstoffwechselt. Mit einer Halbwertszeit von 27 Stunden verbleibt dieser deutlich länger im Blut als Loratadin. Der Wirkstoff hemmt die Histaminwirkung an den Schleimhäuten, indem es Histamin von den H1-Rezeptoren verdrängt. Die Gefäße verengen sich wieder auf die normale Größe und werden weniger durchlässig, was das leichtere Durchatmen durch die Nase ermöglicht und auch bei Juckreiz mit Quaddelbildung lindernd wirkt. Außerdem wirkt Histamin zusammenziehend auf die glatte Muskulatur und damit auch auf die Bronchien, was Desloratadin unterbindet. Zusätzlich wird die Mastzelldegranulation verhindert, was eine verminderte Freisetzung von Histamin bewirkt. Die empfohlene Dosierung für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren beträgt eine Tablette täglich, am besten während einer Mahlzeit.

Nebenwirkungen

Der Wirkstoff wird zur sogenannten zweiten Generation der H1-Rezeptor-Antagonisten gezählt, zu denen auch Cetirizin, Levocetiricin und Loratadin gehören. Im Gegensatz zu den Wirkstoffen der ersten Generation (beispielsweise Diphenhydramin, Clemastin, Doxylamin) passieren sie nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß die Blut-Hirn-Schranke. Dies führt unter anderem dazu, dass zentrale Effekte wie die antiemetische Wirkung ausbleiben.

Sedierende Nebenwirkungen treten deutlich seltener auf. Die am häufigsten vorkommenden unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Müdigkeit sowie Mundtrockenheit. Sehr selten können Magen-Darm-Beschwerden, Leberbeschwerden oder Herzrasen auftreten.

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