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Vertretungsbefugnis für PTA: Bist du dafür oder dagegen?

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Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) sind aufgrund ihrer Kompetenzen nicht aus der Apotheke wegzudenken. Als rechte Hand der Apotheker sind sie dennoch nicht dazu befugt, für sie einzuspringen. Eine Vertretungsbefugnis käme für PTA einer positiven Aufwertung ihres Berufes gleich, da sie damit mehr Verantwortung verbinden und sich ein höheres Gehalt erhoffen. Grünes Licht geben aber auch manche Apothekeninhaber, denn in Zeiten von Nachwuchsmangel könnten sie von PTA vertreten werden. Doch längst nicht alle sind von der Idee begeistert. Woran liegt das?

Sind PTA überhaupt dazu ausgebildet, Apotheker vertreten zu können?

Auch wenn es eine große Schnittmenge zwischen den Tätigkeiten in der Apotheke gibt, haben beide Berufsgruppen einen unterschiedlichen Werdegang. PTA müssen zuvor eine zweieinhalbjährige Berufsausbildung mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen haben, um in der Apotheke als solche tätig zu sein. Apotheker hingegen haben mindestens vier Jahre studiert, ein praktisches Jahr und drei staatliche Prüfungen erfolgreich absolviert. Dass sich die Ausbildungsinhalte der beiden Berufsgruppen voneinander unterscheiden, dürfte auf der Hand liegen.

Doch was sind die Argumente der Befürworter? Wir haben eine erfahrene PTA gefragt.

Lisa Ackermann* arbeitet seit mehr als 20 Jahren als PTA in der öffentlichen Apotheke. Aus ihrer Sicht kehren viele PTA der Apotheke den Rücken, weil sie „beruflich gesehen eine Sackgasse“ sei. Deshalb spricht sie sich im Gespräch mit uns klar für eine Vertretungsbefugnis aus und sieht dies als eine Aufwertung des Berufsbildes. „Die PTA ist der Nachfolgeberuf des Apothekenassistenten und in etwa ein Pendant zum Pharmazie-Ingenieur der ehemaligen DDR. Beide haben beziehungsweise hatten eine Vertretungsbefugnis von bis zu vier Wochen im Jahr. Ich wüsste nicht, dass eine PTA grundsätzlich deutlich schlechter ausgebildet ist.“ Zum anderen gingen die Pharmazie-Ingenieure bald in Rente, so dass Apothekeninhaber sich schwertäten, genug Apotheker zu finden, die für sie einspringen könnten.

Aber nicht jede PTA sei für diesen „Posten“ geeignet, so Ackermann. „Es sollten nur jene Vertretungs-PTA werden, die fünf Jahre Berufserfahrung haben und zusätzlich eine ein- oder zweisemestrige Zusatzausbildung mit dem Fokus Gesetzeskunde und Pharmakologie sowie Toxikologie absolviert haben“. Damit sich das Zusatzstudium lohne, sollen Vertretungs-PTA im Vergleich zu anderen PTA generell ein höheres Gehalt bekommen. „Zwingend erforderlich für die Vertretungszeit ist auch eine Zusatzversicherung, die von der Apothekenleitung bezahlt werden sollte“, betont die 42-Jährige.

Was sagen die Gegner?

Benedikt Richter ist mit Herzblut PTA und arbeitet wie Ackermann auch in der öffentlichen Apotheke. Von einer Vertretungsbefugnis für PTA hält er nicht viel: „Wir sind keine Apotheker. Der Buchstabe ,A‘ in dem Wort PTA steht schließlich für Assistent.“ Er könne die Diskussion um dieses Thema gar nicht nachvollziehen: „Wir sind gar nicht dazu berechtigt, Apotheker zu vertreten.“ Auf einem anderen Blatt steht für ihn dennoch, dass die PTA-Ausbildung aufgewertet und attraktiver werden sollte. „Der Beruf ist eine Sackgasse, was die Aufstiegsmöglichkeiten betrifft. Eine Anrechnung als Fachabitur wäre gut, um später die Möglichkeit zu haben, zu studieren. Ich würde mir wünschen, dass wir PTA diese Option schon während der Ausbildung hätten“, sagt der 26-Jährige.

Auch Gabi Winter, eine 59-jährige PTA, steht dem Modell „PTA vertritt Apotheker“ kritisch gegenüber. „Die Vertretung sollte gezielt in Apothekerhand gelassen werden, denn anderweitig hätte jeder auf einmal Verantwortung in der Apotheke. Ich finde es außerdem besser, wenn wir PTA jemanden zum Nachfragen haben. Denn Wirkweisen von Arzneimitteln und Besonderheiten in der Rezeptur bekommen wir in der Schule nicht beigebracht.“

„Den PTA fehlt vor allem das Wissen in Pharmakologie“

Gülay Spranger ist seit rund 17 Jahren approbierte Apothekerin und spricht sich ebenfalls gegen eine Vertretungsbefugnis aus: „Wir haben sehr lange studiert. Es muss doch einen Unterschied geben zwischen einer PTA und einer Apothekerin.“ Ihrer Ansicht nach reichten die Ausbildungsinhalte der PTA-Schule nicht, um einen Apotheker zu vertreten. „Den PTA fehlt vor allem das Wissen in Pharmakologie“, unterstreicht die 44-Jährige. Aber nicht nur Pharmakologie dürfte fehlen, sondern auch weitere Fächer wie Toxikologie, Klinische Pharmazie, Pharmakotherapie und spezielle Rechtsgebiete für Apotheker, die von der Approbationsordnung zwingend vorausgesetzt werden. „Vor allem sehe ich Schwierigkeiten in der Austauschbarkeit von Präparaten“, als Beispiel nennt sie hier Antibiotika innerhalb derselben Wirkstoffgruppe. „Die Beratung von Ärzten zu Wirkstoffen und auch eine sachgerechte Abgabe von Arzneimitteln im Notdienst kann von einer PTA nicht gewährleistet werden“, so Spranger.

Dürfen PTA künftig eigenverantwortlich Arzneimittel abgeben?

Die derzeitigen Ausbildungsbedingungen, die sich laut Gesetz zukünftig auch nicht wesentlich ändern sollen, sind dem Bundesrat zufolge nicht geeignet, um einer angehenden PTA die erforderlichen Fähigkeiten, Qualifikation und Handlungskompetenz zu vermitteln. Insbesondere geht es dabei um die eigenverantwortliche Arzneimittelabgabe ohne Fachaufsicht durch einen Apotheker. Dadurch könne eine sichere und qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung nicht durchgehend sichergestellt werden.

Reform soll Beratungskompetenz der PTA stärken

Das PTA-Reformgesetz, dem der Bundesrat am 20. Dezember 2019 zugestimmt hat, soll das Berufsbild der PTA modernisieren und die Ausbildung an die geänderten Anforderungen im Apothekenalltag anpassen. Ein Schwerpunkt der Reform liegt auf der Stärkung der Beratungskompetenz. Deshalb weitet das Gesetz insbesondere die Arzneimittelkunde während der zweieinhalbjährigen Ausbildung deutlich aus. Der Gesetzesbeschluss bestimmt auch, dass erfahrenen PTA unter bestimmten Voraussetzungen mehr Verantwortung im Apothekenbetrieb übertragen werden kann, beispielsweise durch das Abzeichnen von Prüfprotokollen, wobei genauere Einzelheiten noch nicht bekannt sind. Bis es soweit ist, wird es allerdings noch einige Jahre dauern, denn das Gesetz soll überwiegend zum 1. Januar 2023 in Kraft treten.

 

*Name von der Redaktion geändert

 

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