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Probleme in der Rezeptur (Teil 1): Kationen und Anionen passen nicht zusammen

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Bei der Plausibilitätsprüfung ist einer der zu überprüfenden Punkte die Kationen-/Anionen-Reaktion. Doch was genau passiert eigentlich, wenn die Wirk- und Hilfsstoffe in dieser Hinsicht nicht zueinander passen? Hier ist Teil 1 der Serie „Probleme in der Rezeptur“.

Ionische Bestandteile können Salze ausbilden

Wechselwirkungen zwischen positiv und negativ geladenen Wirkstoffmolekülen kommen in der Rezeptur relativ häufig vor. Treffen zwei solch unterschiedlich geladene Teilchen in einer wasserhaltigen Zubereitung aufeinander, so reagieren sie miteinander. Der Wirkstoff fällt dann als unlösliches Salz aus und kann nicht mehr wirken. Über die Ladung der jeweiligen Moleküle gibt die chemische Verbindungsklasse Auskunft. Dabei wird unterschieden zwischen:

  • o = nichtionisch/nicht geladen
  • - = anionisch/negativ geladen
  • + = kationisch/positiv geladen

In der Rezeptur kommen kationische Wirkstoffe häufig vor. Hier eine Auswahl:

  • Antibiotika: Chlortetracyclinhydrochlorid, Gentamicinsulfat, Neomycinsulfat, Tetracyclinhydrochlorid
  • Antimykotika: Miconazolnitrat
  • Antiseptika: Benzalkoniumchlorid, Chlorhexidindigluconat, Dequalinumchlorid, Ethacridinlactat, Silbernitrat, Zink(-acetat, -clorid und -sulfat)
  • Lokalanästhetika: Lidocainhydrochlorid, Tetracainhydrochlorid

Häufig verordnete anionische Wirkstoffe sind beispielsweise:

  • Acetylsalicylsäure
  • Ammoniumbituminosulfonat
  • Basisches Bismutgallat
  • Clioquinol
  • Dithranol
  • Eosin
  • Estradiol
  • Estriol
  • Polyvidon-Jod
  • Resorcin
  • Salicylsäure
  • Steinkohleteerlösung
  • Tannin
  • Thymol
  • Triclosan

Auch Hilfsstoffe können zu Kationen-/Anionen-Reaktionen führen

Inkompatibilitäten dieser Art treten dabei nicht nur bei Wirkstoffen auf, denn auch Hilfsstoffe können positiv oder negativ geladen sein. Daher sind manche Grundlagen nach ihrer Ladung benannt worden, wie beispielsweise die „Anionische hydrophile Creme", um gleich auf mögliche Inkompatibilitäten hinzuweisen. Dabei wird außerdem zwischen der DAB- und der SR-/DAC-Variante unterschieden. Letztere enthält deutlich mehr Emulgator und bricht nicht so schnell. Eine Kationen-/Anionen-Reaktion bei einer anionischen Grundlage und einem kationischen Wirkstoff würdest du schnell erkennen.

Bei Gelgrundlagen wie dem Polyacrylatgel, das ebenfalls negativ geladen ist, zerstören positiv geladene Wirkstoffe das Grundgerüst. Die Viskosität lässt nach, Wasser tritt aus und das Gel verflüssigt sich nach und nach.

Zwei Wirkstoffe passen nicht zusammen? Verordner kontaktieren!

Fällt bei der Plausibilitätsprüfung auf, dass zwei Wirkstoffe nicht zueinander passen, dann muss zwangsläufig der verordnende Arzt darüber informiert werden. Beispielsweise könntest du ihm anbieten, zwei verschiedene Zubereitungen anzufertigen, die der Patient zu unterschiedlichen Tageszeiten aufträgt.

Inkompatibilität von Wirkstoff und Grundlage

Passt der Wirkstoff nicht zur verschriebenen Grundlage, so kannst die Apotheke eine geeignete Creme aussuchen, und die unpassende ersetzen. Voraussetzung hierfür ist, dass die ausgewählte Grundlage selbst keine arzneiliche Wirkung hat. Auf dem Rezept sollte der Austausch mit pharmazeutischen Bedenken vermerkt werden, um keine Probleme bei der Abrechnung mit der Krankenkasse zu bekommen.

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, auch den Arzt über den Austausch und den aufgetretenen Schwierigkeiten zu informieren. Er weiß dann für zukünftige Rezepturen Bescheid und kann diese Information auch in der Patientenkartei vermerken.

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